Donnerstag, 24.09.2020 17:35 Uhr

„Im Libanon gibt es keine Verkettung von Zufällen!“

Verantwortlicher Autor: Ronaldo Goldberger Jerusalem, 05.08.2020, 14:16 Uhr
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Jerusalem [ENA] Zweifelsohne handle es sich beim Epizentrum der Riesenexplosion, die weitläufig das Einzugsgebiet des Hafens von Beirut dem Erdboden gleichmachte, um ein Lagerhaus der Hisbollah. Der dies ohne Umschweife behauptet, ist der aus Beirut gebürtige führende israelische Orientalist Dr. Edi Cohen vom Begin-Sadat-Zentrum für strategische Forschung der Universität „Bar Ilan“ neben Tel Aviv.

Cohen, der unweit des Hafengeländes im jüdischen Quartier mit der neben dem Parlament gelegenen, inzwischen renovierten „Magen Abraham“-Synagoge aufgewachsen ist, schwärmt immer noch vom „Paris der Levante“ von ehedem. Doch der kruden Realität im der konstanten Zerstörung anheim fallenden Libanon verschliesst er sich nicht. Er steht dauernd in Verbindung mit Gewährsleuten, die ihm schildern, wie sich die Situation tatsächlich präsentiert.

Waffenlager im Hafengelände

Seine Forschungsarbeiten bewiesen eindringlich: In den meisten Gebäulichkeiten der libanesischen Hauptstadt und im Landessüden lägen seit den 70-er Jahren Millionen von Tonnen Kriegsgeräte versteckt. Sie wurden aus Syrien antransportiert, stammten primär aus irakischen und iranischen Beständen, auch seitens der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). In der Totale summierten sie sich zu etwa 200’000 Raketen, die gegen Israel gerichtet seien. Die Terrormiliz Hisbollah, ein wahrhaftiger Staat im Staate, habe im Hafengelände z.B. in Silos, in denen Mehl eingelagert war, Explosivstoffe verborgen. Die Angaben seien zweifelsfrei und vielfach belegt, teilweise von Zeugen, die ihre Beobachtungen vor laufender TV-Kamera preisgegeben hätten.

Einer der beiden Moderatoren und Journalisten, die Cohen über Radio 103 FM in der populären Sendung „Jinon Magal & Ben Kaspit“ interviewten, wies darauf hin, dass das explodierte Lagerhaus für seinen Verwendungszweck schon längstens bekannt gewesen sei. Das dort aus Ammonium und Salpetersäure gewonnene Salz habe der Herstellung von Sprengstoffen gedient. 2012/13 habe Hisbollah Explosivstoffe nach Zypern verfrachten wollen, um dort Bomben für den Einsatz gegen Israel zu produzieren.

1983 unterzeichneten Libanon und Israel ein Friedensabkommen, doch kam es nie richtig zum Tragen. Unterdessen herrscht wieder offiziell der Kriegszustand. In den vergangenen Wochen spitzte sich die Spannung an der Grenze zwischen Südlibanon und dem israelischen Galiläa zu. Die Hisbollah-Miliz schickte Terroristen in den Einsatz, die indes vom israelischen Militär abgefangen wurden. Nun warten alle gespannt auf die Weiterungen im strategischen Umfeld, ebenso auf eine Grundsatzrede von Generalsekretär Hassan Nasrallah kurz vor der Urteilsverkündigung des Sondertribunals von Den Haag, das im Mordfall des 2005 ermordeten libanesischen Regierungschefs Rafi al-Hariri ermittelte. Alle Angeklagten sind mit der schiitischen Hisbollah verwoben.

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