Donnerstag, 21.11.2019 02:17 Uhr

Gegen Ohnmacht und Fassungslosigkeit nach Halle

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Halle, 14.10.2019, 21:47 Uhr
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Halle [ENA] Es reicht nicht, nach einer Tat wie Halle, gebetsmühlenartig seinem Entsetzen Ausdruck zu verleihen, wie dies in Politik und Medien jetzt getan wird. Und es ist absolut inakzeptabel, wenn nun Töne laut werden, die noch immer bloss von Alarmzeichen schwafeln. Deutschland hat versagt. Wenn im kommenden Januar sich die Befreiung von Auschwitz zum 75. Male jährt, lautet das Verdikt für Deutschland: setzen, sechs!

Viel zu lange sind die Anzeichen, das sich eine ernstzunehmende Gefahr abzeichnet, ignoriert worden. So wurde es zur traurigen Norm, dass jüdische Einrichtungen ganzjährig besonderen Schutzes bedurften. Man wies aus Kreisen de Politik immer deutlicher auf den "Schutz jüdischen Lebens in der Gesellschaft" hin, und merkte nichts von der schleichenden Verrohung der Sitten. So erregten dann auch die Entgleisungen, wie das "Denkmal der Schande" oder der "Vogelschiss der Geschichte" wohl laut verurteilt worden. Aber man kehrte auch betont wieder zur Normalität zurück, die Verrohung damit als Abfolge von Einzelereignissen abtuend. Und vergassdabei weitgehend, dass das Unglück auch in den 30er Jahren nicht mit dem Massenmord begonnen hatte.

Aber die Angriffe auf die Juden waren und sind nicht auf das rechte Politsprektrum beschränkt. Was beispielsweise zur "Schandmal"-Aussage einfällt, sind die ebenfalls schon antisemitisch gefärbten Diskussionen zu ne um die Errichtung jener Gedenkstätte in Berlin, in deren Verlauf sich die gewiss nicht als Rechte zu bezeichnenden Exponenten Martin Walser und Rudolf Augstein mit fast wortgleichen Stellungnahmen äusserten. Neu allerdings ist ein deutscher Aussenminister, der am Grab des Massenmörders Arafat einen Kranz niederlegt und der später als Bundespräsident den Mullahs in Teheran zum Jahrestag von deren Machtergreifung gratuliert. Mehr Judenhass geht gar nicht, wäre man geneigt zu sagen.

Aber halt! Das lässt sich noch locker toppen! Da ist der heutige Aussenminister, der doch "wegen Auschwitz" in die Politik gegangen ist. Was seine Staatssekretäre nicht daran hindert, den Terrorfinancier in Ramallah zu hofieren. Und was den Minister selbst ebenfalls nicht hindert, im UN-Sicherheitsrat - wo Deutschland Israel im Kampf um einen nicht-ständigen Sitz ausgestochen hat - mehr als ein Dutzend Resolutionen gegen den jüdischen Staat zu ermöglichen, um nicht zu sagen, zu unterstützen. Und da ist schliesslich auch die Kanzlerin, die unlängst gar verlauten liess, der Ruf der Machhaber in Teheran, den jüdischen Staat zu vernichten, wäre bloss Israelkritik, aber nicht antisemitisch! Ob sie die IHRA-Definition von Antisemitismus kennt?

Geht das zu weit? Nicht doch! Was wir Juden, die hier leben, jedoch immer weniger bereit sind auszublenden, sind die Rufe aus Israel, wir mögen nach Hause kommen. Der Gedanke des Begründers des politischen Zionismus, Theodor Herzl, in Israel eine Heimstätte für das jüdische Volk zu begründen, ist 120 Jahre alt geworden, und den modernen Staat Israel gibt es auch schon seit 70 Jahren. Und am kommenden 27. Januar 2020 wird in Auschwitz dem 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers gedacht. Dies wird dann wohl der letzte markante Termin sein, an dem Zeitzeugen noch teilnehmen werden. Aber es darf nicht geschehen, dass in weiteren 25 Jahren es keine Juden mehr in Europa gibt. Bei aller Liebe zum Zionismus, dann hätte "er" gewonnen!

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