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Wilder Wein im Nationalpark

Verantwortlicher Autor: Walter Vymyslicky Orth/Donau, 17.11.2019, 22:10 Uhr
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Wilder Wein
Wilder Wein  Bild: Walter Vymyslicky

Orth/Donau [ENA] Die Wilde Weinrebe (Vitis vinifera subsp. sylvestris) ist die seltene Stammform der echten Weinrebe und hat im Nationalpark Donau-Auen das letzte bedeutende Vorkommen in Österreich. Sie erreicht Rankhöhen bis 40 Meter und ist vor allem im Herbst durch ihre rote Verfärbung ein Blickfang im Auwald.

So manche Gartenpflanze wird umgangssprachlich „Wilder Wein“ genannt und dient als Mauerbegrünung oder Sichtschutz. Doch es gibt eine heimische Liane, die zu unseren besonderen botanischen Schätzen zählt und zu Recht diese Bezeichnung trägt: die echte Wilde Weinrebe (Vitis vinifera subsp. sylvestris). Diese bildete die Grundlage für den ersten vorrömischen Weinbau in Mitteleuropa.

Ihr natürlicher Lebensraum sind Uferwälle in den Augebieten großer Flüsse. Sie kommt von Nordafrika bis zum südlichen Mitteleuropa und Kleinasien vor, gilt jedoch in Europa als vom Aussterben bedroht. In Österreich ist die Wilde Weinrebe nur mehr an Donau und March anzutreffen und stark gefährdet. In den Donau-Auen östlich von Wien als Nationalparkgebiet befindet sich der letzte größere Bestand: Her sind aktuell über 200 Individuen bekannt, großteils am linken Donauufer.

Die Pflanze ist zweihäusig, die im Juni und Juli erscheinenden Blüten sind in Rispen angeordnet und werden vom Wind sowie von Insekten bestäubt. Die blauschwarzen Früchte sind klein. Im Herbst sind die Reben, die sich an Trägerbäumen bis in Höhen von 20 bis 40 Metern ranken, besonders gut zu erkennen. Denn das Laub nimmt eine leuchtend rote Herbstfärbung an. Die Wilde Weinrebe ist eine unserer seltensten Pflanzen und die am stärksten bedrohte heimische Gehölzart. Hauptursache ist die Zerstörung des natürlichen Lebensraumes durch Flussregulierung und intensive Forstwirtschaft.

Das Vorkommen im Nationalpark Donau-Auen zählt zu den bedeutendsten in Mitteleuropa, das Schutzgebiet hat daher besondere Verantwortung. Im Rahmen eines Projektes im Programm Ländliche Entwicklung (2014-2020), finanziert durch die Europäische Union und das Land Niederösterreich, erfolgen Artenschutzmaßnahmen. Neben Forschung, Monitoring und Nachzucht werden Individuen im Nahbereich von Wegen gepflanzt, um das Bewusstsein für die Schutzwürdigkeit der prächtigen Liane zu steigern. Vielleicht entdecken auch Sie dieser Tage bei einem Herbstspaziergang im Nationalpark Donau-Auen ein Exemplar im flammenden Blätterkleid?

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