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Reformer befürchten Kernschmelze der katholischen Kirche

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Würzburg, 21.03.2019, 14:49 Uhr
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Würzburg [ENA] Die katholische Reformbewegung Wir sind Kirche will auf ihrer Bundesversammlung Ende März eine mögliche “Kernschmelze” der Kirche erörtern und ausloten, welche Chancen der Kirche in ihrer “selbst verschuldeten Misere” bleiben, den “drohenden GAU” zu vermeiden. Das Treffen will auch einen Rückblick auf den Missbrauchs-Krisengipfel in Rom werfen und sich mit den Dialog-Ankündigungen der deutschen Bischöfe befassen.

Die kirchenkritische Gruppierung teilte mit, ihre 43. Bundesversammlung, die sie auch KirchenVolksVersammlung nennt, werde vom 29. bis 31. März in Würzburg stattfinden. Ausser den drohenden GAU, zu dem der Kölner Journalist und Vorsitzende der Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP), Joachim Frank, sprechen wird, würden die Delegierten und Gäste aus Deutschland und Österreich auch die Zukunft der Reformbewegung diskutieren. Die in Österreich mit einem sogenannten KirchenVolksBegehren ins Leben gerufene Organisation begeht im kommenden Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Das Begehren war 1995 von fast 2,5 Millionen Menschen im deutschsprachigen Raum unterschrieben worden.

Anlass waren damals die Vorwürfe ehemaliger Priester-Seminaristen gegen den Wiener Kardinal Hans Hermann Groër, er habe sie sexuell missbraucht. Die Forderungen des KirchenVolksBegehrens zielen auf mehr Mitbestimmung in der Kirche, die Gleichberechtigung der Frau, die Freistellung des Zölibats, eine positive Bewertung der Sexualität, eine menschenfreundliche Verkündigung des Evangeliums und die Ökumene ab. Die Bewegung wirkte seit 1997 an allen Katholiken- und Kirchentagen in Deutschland mit, hat nach dem Ausstieg der Bischöfe 1999 die Schwangerschaftskonfliktberatung “Frauenwürde “ auf den Weg gebracht und bereits 2002 ein Nottelefon für Betroffene von sexualisierter Gewalt in der Kirche eingerichtet.

Wir sind Kirche hatte die Lingener Bischofskonferenz als “äußerst enttäuschend” gewertet und kritisiert, dass fast ein halbes Jahr nach Veröffentlichung der von den Bischöfen in Auftrag gegebenen Missbrauchsstudie “in keinem wesentlichen Punkt wirklich konkrete Fortschritte” vorgestellt worden seien. Doch wolle sich die Gruppierung auf ihrer Würzburger Tagung auch selbstkritisch Fragen stellen wie “Hat sich die Arbeit von Reformgruppen wie Wir sind Kirche generell überholt?” und “Sind wir nur Kritiker der Amtskirche, also ein Reparaturbetrieb, oder auch kirchliche Zukunftswerkstatt?”, schrieb sie auf ihrer website.

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