Montag, 15.07.2019 21:05 Uhr

Kardinal Woelki übernimmt Missionshochschule

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Köln, 11.07.2019, 18:47 Uhr
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Köln [ENA] Die Kirche von Köln übernimmt die Ordenshochschule der Steyler Missionare (SVD) in Sankt Augustin und überführt sie in eine Stiftung des Erzbistums. Die Diözesankurie teilte mit, durch die Übernahme der Kosten von jährlich 1,2 Millionen Euro für sechs Jahre könnten die Studierenden der Philosophisch-Theologischen Hochschule regulär ihr Studium beenden. Übernahmeziel sei Erhaltung und Weiterentwicklung des Instituts.

Das Erzbistum und die Missionare seien seit mehreren Jahren in einem intensiven Austausch über die Zukunft der Hochschule gewesen. Seit Beginn 2019 unterstütze man die Missionare bereits mit 15 Prozent der Trägerkosten, rund 150.000 Euro. Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki sagte, die Hochschule in Sankt Augustin habe mit ihrer internationalen Ausrichtung und dem Dialog der Religionen einen gerade für die heutige gesellschaftliche Entwicklung wichtigen Schwerpunkt gesetzt. Nun müsse ein inhaltlich und wirtschaftlich tragfähiges Konzept entwickelt werden. Der Provinzial der Steyler Missionare, Martin Üffing, erklärte, ohne den Trägerwechsel hätte die Hochschule Sankt Augustin keine Zukunft gehabt.

Auch der weitgehend unabhängige Kirchensteuer- und Wirtschaftsrat des Erzbistums unterstütze das Vorhaben, teilte die Kurie mit. Zuvor hätten die Stadt- und Kreisdechanten in einer Sondersitzung die Planung des Erzbischofs ausdrücklich begrüsst. Es sei “einhellig als herausragende Chance” angesehen worden, mit einer eigenen Hochschule verstärkt in einen akademischen Dialog mit der Zivilgesellschaft eintreten zu können und die Vernetzung mit anderen Universitäten zu suchen. Das sei ein “starkes Signal für den Gestaltungswillen” der Kirche von Köln. Im erzbischöflichen Wirtschaftsplan 2019 ist von 32 erzbischöflichen Schulen die Rede; das Hochschulprojekt ist nicht verzeichnet.

Laut Internetseite der Hochschule, die sich als “wenig bekannte Perle” in der Hochschullandschaft vorstellt, studieren derzeit rund 150 Studentinnen und Studenten aus über 20 Nationen in Sankt Augustin zwischen Bonn und Siegburg. Sie können dort die Abschlüsse Magister, Lizentiat und Doktorat in Katholischer Theologie erwerben. Darüber hinaus werde für Studierende und Berufstätige der Sozialarbeit und Sozialpädagogik eine Theologische Zusatzqualifikation angeboten, die auch berufsbegleitend möglich sei. Neu sei der Masterstudiengang "Interreligiöse Dialogkompetenz".

Das Schwerpunktstudium Mission, Kulturen und Religionen stelle ein Spezifikum der Hochschule dar, das sich aus dem Selbstverständnis des Ordens ergebe und im deutschsprachigen Raum einzigartig sei: “Dies ist notwendig, wenn die Deutsche Provinz bei rückläufigen Einnahmen und einem derzeit auf 25 Prozent gesunkenen Studierendenanteil eigener Ordensangehöriger die Hochschule langfristig finanziell absichern soll.” In enger Kooperation mit der Hochschule stehen drei eigenständige Forschungszentren (Missionswissenschaftliches Institut, Anthropos Institut, Institut Monumenta Serica) sowie die Akademie Völker und Kulturen, ein ethnologische Museum sowie das China-Zentrum.

Ein Profilierungskonzept aus diesem Januar sieht die Ausschreibung eines mit 1.500 Euro dotierten Wissenschaftspreises für herausragende Forschungsarbeiten in Höhe von EURO 1.500 vor sowie einen Preis über 500 Euro für herausragende Masterarbeiten. Die Anreize sollen der Vertiefung eines Missionsverständnisses der achtsamen Begegnung, des prophetischen Dialogs und der weltweiten Solidarität dienen, das eine versöhnende und integrierende gesellschaftliche Relevanz entfalten soll. Bis heute wurden über 1.000 Priester und hunderte Laien an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Sankt Augustin wissenschaftlich ausgebildet. Ordensangaben zufolge sind rund 6.000 Steyler Missionare derzeit in 70 Ländern auf fünf Kontinenten tätig.

Die Geschichte der Hochschule reicht über 100 Jahre zurück. Aus dem Erholungsheim für Missionare und Wohnheim für studierende Patres entwickelte sich der Lehrbetrieb, der 1925 mit dem philosophische Studium begann, dem sich 1932 das theologische anschloss. 1935 wurden die ersten Diakone, die ihre gesamte Ausbildung in Sankt Augustin erhalten hatten, zu Priestern geweiht. Die Stadt Sankt Augustin leitet ihren Namen vom Missionspriesterseminar her.

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