Donnerstag, 17.10.2019 17:59 Uhr

Intensivfachkräfte für Außerklinische Intensivpflege

Verantwortlicher Autor: Jochen Behr Würzburg, 01.10.2019, 08:47 Uhr
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Intensivpflege
Intensivpflege  Bild: Pixabay

Würzburg [ENA] In der außerklinischen Intensivpflege werden Menschen 24h täglich rund um die Uhr von 1 Intensivpflegekraft medizinisch und pflegerisch betreut. Solche Pflege-WGs sind günstiger als die stationäre Intensivpflege im Krankenhaus, aber teurer als in einem Pflegeheim, aber es fehlt an Fachkräften.

Der Bedarf ist da, das Angebot an qualifiziertem Intensivpflegepersonal aber nicht! Es gibt Menschen jeden Alters, die intensivpflichtig werden können, das fängt an beim Baby, das durch die Geburt einen schweren Schaden erleidet, der zu einer 24h medizinischen Versorgung führt und dann zu Hause durch Fachpersonal betreut werden muss. Dies geht weit über die normale Versorgung eines Babys hinaus. Durch künstliche Ausgänge bei Atemwegen, sogenannte Tracheostomas oder künstliche Zugänge für Nahrung, PEG, muss das Baby und heranwachsende Kleinkind 24h überwacht werden, so müssen Atemwege bei Bedarf abgesaugt werden oder Nahrung angehängt werden, Vitalzeichen werden über ein sogenanntes Oxymeter permanent kontrolliert. Zuviel für nur 1 Person.

So wie beim Baby und Kleinkind müssen auch bei älteren Menschen intensive Verrichtungen vorgenommen werden, dazu zählt auch der Dauerkatheter für Ausscheidungen. Die Pflegebedürftigkeit wird vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen, kurz MdK durch eine persönliche Begutachtung festgestellt und in 5 Pflegegrade eingeteilt. Entscheidend für eine Intensivpflicht ist aber nicht der Pflegegrad, sondern ob der Mensch in einem Pflegeheim von Altenpflegern oder zuhause von einem mobilen Pflegedienst betreut werden kann, sondern welche Maßnahmen am Menschen notwendig sind und welche Qualifikation dazu notwendig sein muss. So werden auch viele schwer kranke Menschen beatmet, die in einem Wachkoma liegen. Entscheidend ist aber Folgendes:

Ein Patient, der tracheotomiert wurde, also ein Luftröhrenschnitt unter Narkose durchgeführt wurde, weil dieser in einem künstlichen Koma gelegt werden musste nach einem schweren Unglück, z. B. einem Schlaganfall und der mit einem Tubus über den Mund beatmet wurde und an einer Maschine hängt, der kann muss aber nicht nach einem künstlichen Koma wieder aufwachen und je nach Schwere der Erkrankung ist ein Tracheostoma medizinisch erforderlich um ihn bei Bedarf oder ständig an einer Beatmungsmaschine zu hängen. Diese Menschen können nicht essen, da der Weg zur Luftröhre künstlich verschlossen wurde, damit kein Speichel hineingelangt und es zu einer Pneumonie führt, einer Lungenentzündung, die oft tödlich ist. Diese sind intensivpflichtig.

Eine Entlassung aus dem Krankenhaus, aus einer Intensivstation ist dann nur möglich, wenn diese in eine außerklinische Intensivpflege verlegt werden können. Krankenkassen zahlen ca. 1000 Euro pro Tag für eine stationäre Intensivpflege und mehr, da entsteht auch ein Druck seitens der Betreiber des Krankenhauses eine Option außerklinisch zu suchen, denn sonst verweigern die Krankenkassen nach einer bestimmten Verweildauer die Zahlungen. Angehörige sollten daher in Absprache mit dem behandelten Arzt und dem Sozialdienst des Krankenhauses früh möglichst eine Option in der Nähe suchen, wo diese nicht so weit entfernt wohnen zum Besuchen des Patienten, denn ansonsten kann es passieren, dass die Krankenkasse weiter weg was zuweist.

In Ortsnähe was zu finden, das ist leichter gesagt als getan, denn der Bedarf ist weit größer als das Angebot. Das liegt nicht daran, dass Betreiber von außerklinischen Intensivpflegeeinrichtungen nicht bereit wären sich zu vergrößern, sondern an dem Mangel an geeignetem Fachpersonal. Die Krankenkassen prüfen hier sehr streng, ob die Angestellten einer Internsivpflege-WG auch die geforderten Qualifikationen nachweisen können. Hier langt nicht die 3-jährige Ausbildung zur examinierten Krankenschwester, sondern es ist eine Weiterbildung zur Intensivpflegekraft notwendig. Arbeitslose Intensivpflegekräfte gibt es am Markt nicht, entweder diese arbeiten stationär in Krankenhäusern auf Intensivabteilungen oder bereits in Intensivpflege-WGs.

Ausländische Pflegekräfte aus Osteuropa besitzen diese Qualifikation nicht. Wenn daher einer von einer vollstationären Intensivpflegeeinrichtung eines Krankenhauses wechselt in den außerklinischen Intensivpflegebereich, dann fehlt dem Arbeitgeber, dem Betreiber eines Krankenhauses diese Stelle, die er nicht nachbesetzen kann. Die Abwerbeangebote von Betreibern von außerklinischen Intensivpflegeeinrichtungen sind nicht nur ein wesentlich höheres Monatsgehalt, sondern auch attraktive Rahmenbedingungen zum Arbeiten, denn außerklinisch wird in der Regel eine 2:1 Betreuung von den Krankenkassen bezahlt, teilweise auch eine 1:1 Betreuung. In einem Krankenhaus kann eine Intensivpflegekraft davon nur träumen, auch von den Arbeitszeiten:

Außerklinisch wird in der Regel in einer 12-Stunden Schicht gearbeitet z. B. von früh um 8:00 Uhr bis abends um 20:00 Uhr, also 2 Intensivpflegekräfte versorgen für 24h entweder 2 Patienten in einer WG oder zuhause 1 Patienten. Wobei die 1:1 Betreuung zuhause meist nur bei Kindern realisierbar ist aufgrund der fehlenden Fachkräfte. Alte Menschen werden in Internsivpflege-WGs 24h betreut, entweder bei kleinen WGs mit nur 2 Patienten von 1 Intensivpflegekraft oder bei größeren WGs teilen sich die Intensivpflegekräfte jeweils 2 Patienten pro Person, Beatmung-WGs sind meist größer angelegt mit mehreren Betten, aber haben den Nachteil, dass diese für die Patienten einen Klinikcharakter aufweisen, im Wachkoma wäre das freilich egal.

Aber intensivpflichtige Patienten, die wach sind und auch das Bett verlassen können haben es in kleinen WGs mit nur 2 Patienten schöner. Freilich die große Wahl hat man vor Ort nicht und nimmt als Angehöriger, was man bekommt, es ist eine Glückssache, dass gerade was frei ist oder frei geworden ist durch den Tod eines anderen Menschen. Ansonsten kommt man auf eine Warteliste und muss hoffen wohnortnah was zu bekommen. Die Vergütung der Pflege im außerklinischen Bereich wird nach einem Stundensatz abgerechnet, den die Krankenkasse direkt mit dem Betreiber verhandelt, es sind keine horrenden Eigenanteile zu zahlen wie in einem Pflegeheim. Auch das macht diese Pflege so beliebt. Angehörige sparen sehr viel Geld.

Zu zahlen ist hier meist nur eine Raummiete für das WG Zimmer und auf Wunsch für Sonderleistungen, also weit weniger als bei der vollstationären Pflege. Rechtlich handelt es sich hier um eine ambulante Pflege, denn der Intensivpflegedienst kommt ambulant in die WG der Patienten, halt 24h täglich. Für die Krankenkassen entstehen beispielsweise Kosten von 25 Euro/Stunde, also 600 Euro am Tag, weniger als in der vollstationären Intensivpflege des Krankenhauses. bei 30 Tagen im Monat wären das 18.000 Euro an Pflegekosten, die zu 100% von der Krankenkasse übernommen werden. Hinzukommen noch die Kosten für Pflegehilfsmittel wie Pflegebett, Pflegerollstuhl, Lifter und anderen Hilfsmitteln und Verbrauchsmitteln.

Monatlich kommen so nochmals mehrere tausende Euros zusammen zzgl. einmalige Anschaffungskosten von mehreren tausenden Euros. Damit hat allerdings der Betreiber der Pflege-WG nichts zu tun, darum muss sich der Angehörige/Betreuer kümmern. Die Pflegefachkraft führt im 12-Stunden-Schicht-Betrieb ihre Arbeiten durch analog wie in einer Intensivabteilung, dazu gehört neben der Grundpflege, die Behandlungspflege und die Überwachung mittels Monitor. Die Fachkräfte arbeiten nicht 12 Stunden lang am Patienten, sondern können zwischendurch auch Pausen einlegen, müssen aber ständig auf Abruf bereit stehen. Auch die hauswirtschaftliche Versorgung gehört dazu, neben dem Reinigen auch das Waschen der Schmutzwäsche.

Dennoch ist das Arbeiten in einer außerklinischen Intensivpflege nach Aussage vieler gefragten Fachkräfte weit angenehmer als in einem Krankenhaus, auch das Betriebsklima ist meist besser. Einspringen wenn ein Kollege krank wird muss man auch hier, denn die 24h Versorgung muss vom Betreiber stets abgesichert werden, dafür braucht dieser weit mehr als ein paar Fachkräfte, also freie Stellen gibt es in diesem Bereich überall, aber die Bewerber fehlen. Warum fehlen die Bewerber? Teils kennen Fachkräfte in Krankenhäusern diese Angebote gar nicht, viele wechseln unter der Hand, weil ein Arbeitskollege einem eine Stelle empfiehlt. Zum Anderen fehlt es an der notwendigen Qualifikation. Hier muss mehr Werbung gemacht werden.

Der Beruf einer Intensivpflegekraft ist krisensicher und wird gerade im außerklinischen Bereich überdurchschnittlich bezahlt bei einem attraktiven Gesamtpaket, dazu kann auch ein eigener Dienstwagen gehören. Viele Intensivfachkräfte, die eine Stelle im außerklinischen Bereich gefunden haben wollen nicht mehr zurück, das spricht für sich. Fehlen tun diese aber im Krankenhaus. Also das Problem des Fachkräftemangels verlagert sich dadurch nur und Krankenhäuser bekommen Probleme und wie lange Krankenkassen noch eine 2:1 Betreuung bezahlen können bis das Budget ausgebraucht ist bei stetig steigendem Anspruch danach ist auch fraglich. Die außerklinische Intensivpflege boomt für Fachkräfte, die sich neu orientieren wollen.

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