Dienstag, 10.12.2019 02:47 Uhr

Erzbistum mit digitalem Pfarrbüro und Corporate Identity

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Köln, 10.09.2019, 14:14 Uhr
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Köln [ENA] Im Ringen um die Neuaufstellung des Erzbistums Köln erwägt die katholische Kirche “heute übliche Standards” zu übernehmen wie ein von Bürozeiten unabhängiges “digitales pfarrbüro24” und die Förderung der Wiedererkennbarkeit mittels eines einheitlichen Erscheinungsbilds “vom Schaukasten bis zum Briefkopf”. In Pilotprojekten sollen auch Frauen ehrenamtlich in die Gemeindeleitung eingebunden werden.

Zu den jetzt vorgestellten Konturen des “pastoral Zukunftswegs”, die Kardinal Rainer Maria Woelki und sein Diözesanpastoralrat in Form einer Zielskizze diskutieren, zählen auch Ideen für die Qualifizierung von Hauptberuflichen und Ehrenamtlichen, den erhöhten Stellenwert und die “Verlebendigung von Gottesdiensten und Sakramentenspendung”, die Verbesserung der Kommunikation auf allen Ebenen und zukunftsfähige Strukturen. Für die Umsetzung ist das kommende Jahrzehnt bis 2030 geplant. Mit diesen Massnahmen reagiert die Kirche auf den ihr vorhergesagten dramatischen Schwund an Gläubigen und damit verbundenen Finanzmitteln.

Nach teils kontroverser Diskussion wurde bekräftigt, dass eine zeitgerechte Kommunikation erforderlich sei: inhaltlich transparent und wertschätzend, technisch auf der Höhe der Zeit, auf allen aktuellen Kommunikationskanälen – einschließlich der Glaubensverkündigung. Entscheidend sei die jeweilige Zielgruppenorientierung, aber auch die Übernahme heute üblicher Standards. Als Beispiele für Schritte zu guter Kommunikation wurden im Pastoralrat das pfarrbüro24 und eine Art Corporate Identity genannt. Der 75-köpfige Stab ist das zentrale Beratungsgremium des Erzbischofs, in dem die Arbeit der anderen Ausschüsse gebündelt wird. Seine Aufgabe ist laut Kirchenrecht, praktische Vorschläge für die diözesane Seelsorge zu erarbeiten.

Im Pressedienst der Kölner Kurie hiess es, mit der sogenannten Zielskizze, einer Zusammenfassung von Überlegungen, Ideen und Vorschlägen von fünf Teams aus verschiedenen Arbeitsfeldern, die in den vergangenen Monaten die Lage im Erzbistum untersucht hatten, trete “die Neuaufstellung des Erzbistums in eine entscheidende Phase”. Laut Generalvikar Markus Hofmann zeigt sich Gemeinde überall da, wo Menschen sich regelmäßig als Gemeinschaft zusammenfänden, etwa in katholischen Einrichtungen und Schulen, in Kindergärten, Beratungsstellen, Vereinen und Verbänden, in Bildungsstätten, “also bei weitem nicht nur da, wo ein Kirchturm steht”. Die Sonntagsmesse solle mit ansprechender Predigt und qualitätvoller Musik gestaltet werden.

Weitere Gottesdienstformen wie Vespern, Wortgottesdienste, Evensongs und Taizé-Gebet, sollten das liturgische Angebot vor allem werktags ergänzen. Experimente seien erforderlich und erwünscht. In Video-Interviews erklärten die Delegierten Mechthild König und Kreisdechant Norbert Hörter, die Pfarreien sollten sich in Zukunft wieder mehr auf ihre Kernkompetenz, die lokale Seelsorge, konzentrieren können, indem Verwaltungsaufgaben zu ihrer Entlastung zentral wahrgenommen werden sollen. Hörter zufolge soll eine neue Gremienstruktur auf vier Ebenen (Gemeinde, Pfarre, Dekanat, Bistum) in Pilotprojekten ausprobiert werden, wo viele Gemeinden eine Pfarre bildeten, die von drei ehrenamtlich tätigen Frauen und Männern geleitet werden solle.

Zugleich soll eine freiere Verwendung des Budgets die Eigenverantwortung der Pfarreien stärken. Zielskizze und Diskussionsergebnisse sollen jetzt auf Regionalforen vertieft werden. Laut Pressedient erklärten 32 Mitglieder des Diözesanrats, dass die Zielskizze ein Schritt in die richtige Richtung sei, während 18 mit „teilweise“, aber niemand mit „nein“ gestimmt habe. „Die Zielskizze ist selbstverständlich nur ein vorläufiges Bild mit Umrissen in groben Strichen“, sagte Kardinal Woelki. Sie könne “nur eine erste Kontur” dessen geben, was jetzt als Zielbild für die Kirche im Erzbistum Köln entwickelt werden solle. Seit Herbst 2018 war dazu in fünf Arbeitsfeldern die aktuelle kirchliche Situation im Erzbistum auf dem Prüfstand.

Zur Halbzeit des auf vier Jahre angelegten Projekts Engagementförderung treffen sich am 16. September beim „Fachtag Engagementförderung“ Experten und Interessierte aus Theorie und Praxis in Bensberg. In sechs Workshops geht es anschließend u.a. darum, welche Ziele und Erwartungen Menschen haben, die sich (ehrenamtlich) engagieren wollen oder wie man Netzwerkstrukturen gestalten kann, die ein solches Engagement begünstigen. Bereits seit zwei Jahren arbeiten sogenannte Engagement-Förderer hauptamtlich in den Gemeinden in einer Pilotphase mit 60 Seelsorgebereichen. Sie sind unter anderem in der Koordination der Flüchtlings- und Integrationsarbeit aktiv.

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