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Erzbistum: Katholikenzahl, Steuerkaufkraft halbieren sich

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Köln, 01.06.2019, 14:49 Uhr
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Köln [ENA] Im Erzbistum Köln werden sich die Katholikenzahl und die Kaufkraft des Kirchensteuer-Einkommens bis 2060 fast halbieren. Laut der für das grösste deutsche Bistum vorgestellten Ergebnisse einer Langzeit-Prognose des Freiburger Forschungszentrums FZG sinkt die Zahl der Kirchenmitglieder in den nächsten 40 Jahren auf etwa eine Million. Der Vatikan dagegen meldet, die Zahl der Katholiken weltweit sei gestiegen.

Im Pressedienst des Erzbistums hiess es am Samstag, das Ausmaß des Rückgangs hänge wesentlich davon ab, ob es der Kirche gelinge, “missionarischer” zu werden wie von Papst Franziskus gefordert. Die für Köln prognostizierte Verringerung der Katholikenzahl um 48 Prozent ist der Projektion zufolge zu einem Drittel von demografischen Faktoren abhängig. Zwei Drittel des Rückgangs resultierten aus kirchlichen Einflussfaktoren wie Tauf- und Austrittszahlen. “Die Prognose 2060 ist daher nicht zuletzt auch eine Bestätigung dafür, wie wichtig unser Pastoraler Zukunftsweg ist“, erklärte Generalvikar Markus Hofmann.

Die Zahlen machten deutlich, dass die Kirche einen neuen Aufbruch brauche und nicht tatenlos zusehen dürfe, wenn Menschen der Kirche den Rücken kehrten. Sie müsse realistisch sein und könne sich dem hier aufgezeigten Trend nicht ganz entziehen. Aber die Frage, wer künftig seine Kinder taufen lasse, wer der Kirche treu bleibe, wer als Erwachsener den Weg in die Kirche finde oder zu ihr zurück, hänge wesentlich davon ab, ob es ihr besser als bisher gelinge, Menschen zu überzeugend, so Hofmann. Mit der vorhergesagten Entwicklung bewege sich das Erzbistum Köln im Durchschnitt aller 27 deutschen Diözesen.

Köln sei mit fast zwei Millionen Mitgliedern das größte deutsche Bistum und habe mit 36 Prozent einen relativ hohen Katholikenanteil an der Bevölkerung. Die großen städtischen Ballungsräume ergäben eine jüngere Altersstruktur, erhöhte Austritts- und geringere Taufzahlen als im Bundesdurchschnitt und aufgrund höherer städtischer Wirtschaftskraft ein höheres Kirchensteueraufkommen. “Doch da die Zahl der Katholiken im Alter zwischen 45 und 55 Jahren, die zurzeit das Gros der Kirchensteuern aufbringen, in Zukunft demografisch bedingt schrumpfen wird, werden zukünftig auch die finanziellen Möglichkeiten kleiner – bei annähernd gleichem Aufkommen vor allem durch den Kaufkraftschwund,” hiess es in der Mitteilung.

Das Forschungszentrum Generationenverträge in Freiburg hatte die langfristige Projektion der Kirchenmitglieder und des Kirchensteueraufkommens bis 2060 im Auftrag der Kirche erstellt. Ausgangspunkt und Datenbasis der Projektion waren die Verhältnisse von 2017, für die auch Daten des Statistischen Bundesamtes hinzugezogen wurden. Im März hatte der Vatikan gemeldet, die Zahl der Katholiken weltweit steige, besonders in Afrika und Asien; in Europa sei die Zahl allerdings fast gleich geblieben. Erstmals seit 2010 sei hingegen die Zahl der Priester weltweit von 414.969 im Jahr 2016 auf 414.582 im Jahr 2017 gesunken.

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