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Brandmüller sieht radikalen Geist in der Amazonasflasche

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Frankfurt, 23.07.2019, 18:26 Uhr
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Frankfurt [ENA] Der deutsche Kurienkardinal Walter Brandmüller hat den Zölibat verteidigt und das Programm der Amazonas-Synode in Rom als zölibat-feindlich kritisiert. In einem Zeitungsartikel schrieb der 90-jährige, niemand glaube im Ernst, dass es bei dem Treffen im Oktober um das Schicksal der Amazonaswälder gehe. Der "Geist in der Flasche" heisse entgegen ihrem Etikett, "radikaler Umbau der Kirche nach dem bekannten Programm".

In seinem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung verteidigte der Kardinal den Zölibat als Dienst am Evangelium, der nicht durch den "gesetzgeberischen Akt eines Papstes oder Konzils" außer Kraft gesetzt oder abgeändert werden könne. Der Zölibat sei “genuiner Inhalt der apostolischen Überlieferung” und Teil der kirchlichen ‘Tradition’, der die gleiche Verbindlichkeit zukomme wie der Heiligen Schrift; beide enthielten “göttliche Offenbarung," schrieb der Geistliche, der bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand vor zehn Jahren Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaft war.

In seiner Antwort auf den Münsteraner Kirchenrechtler Hubert Wolf (siehe ENA vom 15. Juli 2019), der den Zölibat in der FAZ als “entscheidenden Risikofaktor” für den Missbrauch Minderjähriger durch Priester bezeichnet hatte, erklärte Brandmüller, die “weite Landschaft des Wahren, Guten, Schönen, Heiligen” verschwinde, wenn sich der “Punktstrahler voyeurhaft auf jene natürlich auch vorhandenen Skandale” richte, die dazu dienen sollten, den “geistlichen Wert des priesterlichen Zölibats zu diskreditieren”. Zeiten “kirchlicher Blüte” wie die Karls des Grossen und der Sachsenkaiser seien “stets auch durch Treue zum Zölibat” gekennzeichnet gewesen. Schon zuvor hatte Brandmüller die Empörung über den Missbrauchsskandal als Heuchelei bewertet.

Der Kardinal räumte aber ein, dass der Zölibat gemäss den Anforderungen der historisch-kritischen Methode und nicht “unter dem Einfluss von Adrenalin” diskutiert werden könne. Zu der von Papst Franziskus 2017 angekündigten Amazonas-Synode schrieb der Kardinal, bei dem “radikalen Umbau der Kirche” sei der Zölibat der Kernpunkt. Wenn dieser falle, “dann ist auch die Kirche am Ende.” In diese Strategie seien auch die kürzlich erschienenen Thesen Wolfs einzureihen. Nach Einschätzung der Deutschen Bischofskonferenz könnten neue Wege in der Seelsorge des Amazonasgebietes möglicherweise Auswirkungen für die Kirche in Deutschland haben.

Medien hatten auf das Interesse deutschsprachiger Kirchenmitglieder an der Synode hingewiesen. Dem National Catholic Register war aufgefallen, dass etwa ein Drittel der Teilnehmer eines römischen Vorbereitungstreffens zur Synode im Juni deutschsprachige Würdenträger gewesen seien, unter ihnen der Papstberater Kardinal Walter Kasper, Bischof Erwin Kräutler, Bischof Franz-Josef Overbeck (Ruhrbistum, Adveniat), Pater Paolo Suess, Experte für Befreiungstheologie, Professor Hubert Wolf aus Münster, Professorin Myriam Wijlens der Universität Erfurt, der frühere Misereor-Chef Msgr. Josef Sayer aus Aachen, und Dina Guerra, die als Programm-Manager von Porticus (philanthropische Brenninkmeijer-Organisation) vorgestellt wurde.

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