Samstag, 24.08.2019 02:15 Uhr

Was gut ist, kommt wieder.

Verantwortlicher Autor: Thomas Schuster München, 09.07.2019, 15:00 Uhr
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Bombastisch - groß - beeindruckend. Bühnenbild Bon Jovi.
Bombastisch - groß - beeindruckend. Bühnenbild Bon Jovi.  Bild: Thomas Schuster

München [ENA] Mehr als 130 Millionen verkaufte Alben und gut 35 Jahre Bandgeschichte. Wenn Bon Jovi - oder das, was davon noch übrig ist - nach sechs Jahren Deutschland-Abstinenz wieder zum Tanz in einem der größten Stadien Deutschlands bittet, bleibt eigentlich kaum Raum für Kritik. Oder etwa doch?

Auch wenn das Motto der Tour "This House is not for sale" lautet, der Rest ist es irgendwie dann doch. Am Merchandising-Stand werden immerhin stolze 40 Euro für ein Bon Jovi T-Shirt abgerufen, hohe Ticketpreise bin hin zur Stehplatz-Unterteilungen in Golden-Circle und Diamond-Circle begleiten das Drumherum eines seit Monaten offiziell als ausverkauft geltenden Konzert-Ereignisses. Das geneigte Fan-Volk kommt und jubelt trotzdem, selbst der Olympiaberg im Gelände erfreut sich einer hohen Anzahl an Besuchern, die sich vermutlich zuletzt zu den beiden Ed Sheeran Konzerten 2018 hier an Ort und Stelle versammelt haben.

Zwischendrin freilich blitzt ab und an die ein - oder andere deutlich vergünstigte Schwarzmarkt-Karte aus der Masse hervor, wird aber ebenso schnell wieder einkassiert. Wahlweise von einem bis dato nach einer Eintrittsberechtigung suchendem Fan, gerne aber auch von zivilen und uniformierten Ordnungshütern, man hat in München schließlich einen Ruf zu verlieren. Das Wetter ist gut, die Laune der Besucher ebenfalls. Den Rest besorgt der Alkohol, der zur Feier des Tages in gleich drei verschiedenen Bon Jovi Tourbechern und einem Pfandwert von jeweils zwei Euro ausgeschenkt wird und - natürlich - die Vorgruppe.

Def Leppard hallt es da in klangvollen Lettern von den Leinwänden und dem Backdrop der Bühne und auch wenn die "fetten Jahre" der Band seit gefühlt gut 20 Jahren vorbei sind, die farbenfrohe Kleidung und das wehende Haar der Protagonisten sind es noch lange nicht. "Rock of Ages", "Love Bites", "Pour some sugar on me", "Lets`s get rocked". Man kennt es, man liebt es, man feiert es. Das T-Shirt mit dem Aufruck "Ich bin nur wegen der Vorgruppe hier" hat sicher bei einigen Besuchern seine Berechtigung.

Bombastisch, pompös und groß wird es dann gegen 20.45 Uhr. Wobei "groß" im klassischen Sinne ist Jon Bon Jovi rein körperlich nach wie vor nicht, mittlerweile allerdings in Würden leicht ergraut und - man höre und staune - 57 Jahre alt. Auch die Tatsache, dass das Aus von Richie Sambora seit 2015 nun auch offiziell als endgültige Trennung von Bon Jovi gilt, hinterlässt Spuren, obwohl sich der "Ersatz" Phil X alle Mühe gibt, dies möglichst effektiv vergessen zu machen.

Alles nicht schlimm, alles nicht nachhaltig - jetzt wird gerockt. An Song-Kalibern der Spitzenklasse scheitert dies bekanntlich nicht, denn wer nach dem "This house is not for sale" Opener gleich drei Knaller in Form von "Raise your hands", "You give love a bad name" und "Born to be my baby" nachlegen kann, dem frisst die Meute bekanntlich aus der Hand. Würde sie vermutlich auch, würde sich die stimmliche und gesangliche Leistung des Frontmannes auch dem Geschehen auf der Bühne anpassen. Das tut sie leider nicht. Nicht bei hohen Tönen und irgendwie nicht so richtig während der folgenden fast 150 Minuten Spielzeit.

So sind es am Ende leider recht wenige Höhepunkte, für die häufig das stimmgewaltige Publikum sorgt, bevor nach einem drückenden und kraftvollen "Bad Medicine" die beiden Zugaben fast schon in den Gehörgängen schmerzen. Gerade "I´ll be there for you" wird so nicht zum erhofften Herzschmerz-Finale, bevor ein höchst durchschnittliches "Living on a Prayer" die Scharen in Richtung Ausgang drängen lässt. Was bleibt? Zweifelsfrei ein Ereignis. Und die Erkenntnis, dass selbst modernste Lautsprecher und perfektionierte Klang- und Bühnentechnik nicht immer mit Wundern im Einklang stehen. Aber vielleicht ist es gerade diese klitzekleine menschliche Komponente, die den Erfolg von (Jon) Bon Jovi begründet. Es war uns trotz allem eine Ehre.

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