Dienstag, 12.11.2019 12:08 Uhr

Luzerner Theater, Märchen im Grand Hotel, Operette

Verantwortlicher Autor: Gabriela Bucher - Liechti Luzern, 07.11.2019, 11:38 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 991x gelesen
Märchen im Grand Hotel Szenenfoto
Märchen im Grand Hotel Szenenfoto   Bild: Ingo Hoehn Luzerner Theater

Luzern [ENA] Luzerner Theater, Märchen im Grand Hotel Gabriela Bucher Musikalische Leitung: William Kelley, Inszenierung: Bram Jansen, Bühne: Robin Vogel, Kostüme: Ulrike Scheiderer, Choreographie: Ryan Djojokarso, Video: David Röthlisberger,Licht: Marc Hostettler, Sounddesign: Jorg Schellenkens,

Kellner Albert ist verzweifelt: In «seinem» Grand Hôtel ist nichts mehr, wie es einmal war. Die Qualitäts-Touristen fehlen, Albert wünscht sich sehnlichst, sein geliebtes Hotel vom Billig-Tourismus zu retten, um dort weiterhin wie eh und je seiner Arbeit nachgehen zu können und in der Nähe seiner Isabella zu sein, der Putzfrau, die er seit 20 Jahren liebt und verehrt. Der Hoteldirektor Chamoix hat da aber andere Pläne. Er lässt gerade einen Werbespot drehen, um das Haus besser verkaufen zu können. Der angereiste Scheich mit Gefolge zeigt grosses Interesse.

Für diesen Werbespot fehlt allerdings noch die Tonspur, die wird jetzt aufgenommen, aus Spargründen mit den Stimmen der Angestellten des Hotels. Die Geschichte des Werbespots ist Paul Abrahams Operette «Märchen im Grand Hotel». Auch diese Geschichte spielt, wie könnte es anders sein, in einem Grand Hôtel und dreht sich um eine verarmte spanische Prinzessin, ihre Entourage und um einen unbeholfenen Kellner

Dies in groben Zügen das «Märchen im Grand Hôtel» in der Inszenierung von Bram Jansen, welches seit Ende Oktober 2019 und noch bis März 2020 im Luzern Theater gezeigt wird. Jansen hat die 1934 uraufgeführte Operette speziell für Luzern umgeschrieben und angepasst. Luzerner Geschichten, Lokalitäten und typische Touristen-Clichés tauchen dann auch immer wieder auf in seiner Inszenierung.

Märchen im Grand Hotel Szenenfoto von Ingo Hoehn
Märchen im Grand Hotel Szenenfoto von Ingo Hoehn
Märchen im Grand Hotel Szenenfoto von Ingo Hoehn

Kissenklopfer und Orangenküsse

Marylou, die Sounddesignerin, baut also ihr Tonstudio auf im Keller des Grand Hôtels. Bühnentechnisch ist das so gelöst, dass im oberen Teil des Bühnenraums ein nobles Hotelambiente nachgebildet ist, im unteren Teil, durch eine enge Treppe und einen Lift zugängig, der ziemlich chaotische Keller des Hotels mit allerlei Getränkekisten, Weingestellen und sonstigem Kram. Marylou (eine herrlich agile, mit viel Lust und Verve spielende und singende Tora Augestad) empfängt in diesem improvisierten Studio die verschiedenen Sprecher des Films.

Es sind dies u.a. Trainees, Koch Andreas, Hoteldirektor Chamoix, Kellner Albert, Putzfrau Isabella, sie alle treten an, um die ihnen zugeteilten Rollen zu sprechen und zu singen. Marylou kümmert sich um die Koordination aber vor allem um die Soundeffekte, was immer wieder Anlass gibt für Lacher im Publikum. Kissenklopfer bei Schlägen, aber vor allem Orangengequetsche bei Kussszenen – da «designt» Marylou besonders ausgiebig und mit viel Wollust.

Märchen im Grand Hotel Szenenfoto von Ingo Hoehn
Märchen im Grand Hotel Szenenfoto von Ingo Hoehn
Märchen im Grand Hotel Szenenfoto von Ingo Hoehn

Die Geschichte in der Geschichte

Immer wieder schwappt der Hotelalltag ins Aufnahmestudio: Ein staubsaugender Angestellter stört, der angereiste Scheich wünscht eine Pizza, einen Berner Sennenhund, einen speziellen Champagner. Der Hoteldirektor, ständig an seinem Handy (ein aalglatter Jason Cox), erfüllt die Wünsche oder lässt sie erfüllen. Eine japanische Touristengruppe verirrt sich im Keller und schiesst Selfies mit Handysticks. Die Putzfrau (Heidi Maria Glössner, souverän, mit unglaublicher Bühnenpräsenz) wehrt die Avancen des verliebten Kellners Albert (Samuel Streiff, schüchtern, verträumt, melancholisch) ab.

Concierge Lossas (Vuyani Mlinde, herrlich wandlungsfähig, stimmlich und darstellerisch) sieht sich aus Personalknappheit mal die Rolle des Grossfürsten, mal jene der Gräfin Ines zugeteilt und wechselt völlig mühelos zwischen den verschiedenen Tonlagen. Während den Aufnahmen finden Marylou und Koch Andreas Gefallen aneinander, Putzfrau Isabella leider aber immer noch nicht an Kellner Albert, Chamoix steht in Verkaufsverhandlungen mit dem Scheich, Albert funkt dazwischen, um den Verkauf zu verhindern und Isabella verkündet, dass dies ihr letzter Arbeitstag sei im Hotel.

Das viel besungene Happy-End passiert nur im Werbespot, der inzwischen fertiggestellt worden ist. Albert betrachtet das Werk, in Schwarz-Weiss, mit nostalgischen Bildern aus dem Hotel Schweizerhof Luzern und mit clichéhaften touristischen Aufnahmen aus der Umgebung. Ob für ihn im realen Leben noch eine Chance auf ein Happy End mit seiner Isabella besteht, bleibt offen. Das «Märchen» ist unterhaltend, köstlich, die Musik ein bunter Mix aus Walzer, Jazz, Tango.

Kellner Albert besingt seine «schönste Rose» auf beste Operettenmanier und schmachtet dabei selbstvergessen einen Putzmob an, Heidi-Maria Glössner ist eine wunderbar unnahbare Putzfrau und – im Werbefilm – eine noble Prinzessin und lässt mit ihrer schönen Stimme Marlene Dietrich aufleben. Das LSO unter William Kelley schwelgt, fetzt und walzert aufs Schönste aus dem Orchestergraben. Ein Besuch dieses Märchens, schauspielerisch und musikalisch auf hohem Niveau, sei jedem empfohlen, der einen vergnüglichen Abend verbringen möchte. www.luzernertheater.ch www.gabrielabucher.ch www.leonardwuest.ch

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