Donnerstag, 13.08.2020 07:16 Uhr

Im Auto aufs Konzert, die neue Corona „Normalität“

Verantwortlicher Autor: Sandra Schillberg Leverkusen, 18.06.2020, 10:57 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 6153x gelesen
Giovanni Zarella Autokonzert in Monheim am Rhein
Giovanni Zarella Autokonzert in Monheim am Rhein  Bild: Sandra Schillberg

Leverkusen [ENA] Zu Beginn der Corona Lockdown Maßnahmen mussten beinahe alle Branchen mit starken Einschränkungen zurecht kommen. Doch während nach und nach immer mehr Betriebe ihre Arbeit wieder aufnehmen konnten und in der Ausfallzeit staatliche Hilfen erhalten haben, bleibt eine Branche alleine auf der Strecke.

Menschen, die dann arbeiten, wenn wir feiern. Eine Branche, die uns ein Produkt anbietet, welches man nicht einpacken und mit nachhause nehmen kann. Die gesamte Eventbranche liegt seit Mitte März still. Großveranstaltungen sind bis mindestens 31.08.2020 verboten. Konzerte, wie sie vor Corona stattfanden, sind nicht mehr möglich. Und noch weiß niemand, ob und wie es ab September weitergehen wird.

Das Verbot betrifft nicht nur die Künstler

Von der Licht- und Tontechnik, über den Bühnenbauer, die Gastronomie, Location Betreiber, Fotografen und Speditionen bis hin zum Veranstalter. Es geht um mehrere Millionen Arbeitnehmer, Selbständige und Unternehmer, die ohne Einnahmen alternativlos im Stich gelassen wurden. Live Auftritte lassen sich nun mal nicht „to go“ einpacken und zuhause auf dem eigenen Sofa konsumieren. Während über Restaurants, Reisebüros und die Lufthansa Rettung diskutiert wird, verliert die breite Öffentlichkeit keinen Gedanken an die Event Branche. Außer dem, wie man als Zuschauer sein Geld für verschobene Konzerte zurück bekommt, anstatt das Konzert zum neuen Termin im nächsten Jahr zu besuchen.

Autokonzerte – Alternative oder nur Schadensbegrenzung?

Auch ohne Veranstaltungen, und damit ohne Einnahmen, laufen die Ausgaben weiter, und so werden einige Veranstalter erfinderisch. Autokinos erleben einen neuen Beliebtheitsboom, und so werden erste Autokino Konzerte geplant und durchgeführt. Doch lassen sich auch mit diesen Konzerten nicht alle laufenden Kosten decken und schon gar kein Gewinn erzielen. Lokale Veranstalter entscheiden sich bewusst dafür, Konzerte mit Verlust zu organisieren und damit den Schaden so gut wie möglich zu begrenzen. Dieses Minusgeschäft ist ein geringerer Verlust, als die Location ungenutzt leer stehen zu lassen. Doch wie lange, soll die Eventbranche das noch überleben?

Jede noch so große „Notreserve“ ist irgendwann einmal aufgebraucht und nicht alle Veranstalter werden als Kulturbetrieb durch die Städte und Gemeinden gefördert. All diese Sorgen sind für die Zuschauer in ihren Autos nicht zu spüren. Sowohl Künstler als auch Veranstalter unternehmen alles menschenmögliche im Rahmen der Corona Hygienevorgaben, um die Gäste ein paar Stunden von ihren Problemen abzulenken und zu unterhalten. So auch wieder am Donnerstag Abend (11. Juni) in Monheim auf der Bürgerwiese Baumberg. Hier veranstalten die Monheimer Kulturwerke normalerweise Open Air Konzerte, die in diesem Jahr verschoben oder abgesagt werden mussten.

Dolce Vita im Rheinland

Mit einem Bruchteil der üblichen Zuschauerkapazität füllte sich der Platz aber nicht mit den Zuschauern, sondern mit den Zuschauern in ihren Autos. Can Sinar sorgte als DJ „Canybaby“ mit italienischen Hits für die richtige Einstimmung für den Abend. Giovanni Zarella , der seit 11 Monaten mit seinem Album „la vita è bella“ in den Charts ist, sang nicht nur alleine, sondern sorgte mit Papa Bruno Zarella für eine Überraschung.

Giovanni und Bruno Zarella

Die in italienisch gesungenen bekannten deutschen Schlager erscheinen beim zuhören vertraut und es fällt teilweise schwer, nicht den ursprünglichen deutschen Text mit zu singen. So wünscht sich Giovanni Zarella vom Publikum bei „Dammi“ (Wahnsinn) statt mit dem melodisch bekannten „Hölle, Hölle, Hölle, Hölle“ mit „bella, bella, bella, bella“ einzustimmen. Unsicher, ob er dies so sagen könne, verrät Giovanni, dass „La valle dell’Eden“ (Jenseits von Eden) nicht nur sein Favorit auf dem Album ist, sondern auch das Lieblingslied des Albums von seinem Freund Pietro Lombardi.

Giovanni Zarella in Monheim
Giovanni Zarella in Monheim
Pietro Lombardi in Monheim

Dieser ließ es sich nicht nehmen für das gemeinsame Duett „Senza te (ohne dich)“ als Überraschung zum krönenden Abschluss eines gelungenen Autokino-Konzertes auf die Bühne zu kommen. Für einen Moment könnte man beinahe die Probleme der gesamten Musikbranche vergessen. The Show must go on. Doch die Sorgen bleiben. Wie lange können die Firmen und Künstler diese Maßnahmen und Verbote noch finanziell überbrücken? Und wie viele Menschen werden ihre Existenzen verlieren?

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