Montag, 10.05.2021 03:53 Uhr

Transall C-160 – Das Arbeitstier geht in Rente

Verantwortlicher Autor: Lars Kitschke Hohn, 04.05.2021, 07:41 Uhr
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Transall beim LTG 63 in Hohn
Transall beim LTG 63 in Hohn  Bild: Lars Kitschke

Hohn [ENA] 53 Jahre nach der Übernahme der ersten Serienmaschine wird die Bundeswehr sich von der „Transall“ verabschieden. Das Transportflugzeug bildete das Rückgrat der Lufttransportkapazitäten der Streitkräfte und war in dieser Zeit auf nahezu allen Kontinenten unterwegs.

Mit der Rückkehr der letzten Transall aus dem Niger endete auf dem Fliegerhorst Hohn die Zeit als Einsatzverband. Bis zur endgültigen Außerdienststellung der Maschinen und des Verbandes werden nunmehr nur noch Trainingsflüge absolviert. Zukünftig wird das Herz der deutschen Lufttransportkräfte rund 150 Kilometer südwestlich liegen, in Wunstorf. Hier ist die Heimat des LTG 62, welches in der Zukunft nahezu alle Transportaufgaben der Bundeswehr übernehmen wird. Ergänzt werden die Airbus A-400M durch Lockheed C-130J Hercules, die zukünftig vom französischen Evreux aus operieren. Ab 2025 werden 10 der Airbusse im Rahmen einer multinationalen Einheit im bayrischen Lechfeld stationiert.

Doch zurück zur Transall. Der erste von drei Prototypen flog am 25.februar 1965 zum ersten Mal in Frankreich. Der deutsche Prototyp flog drei Monate später in Lemwerder bei Bremen und Nummer 3 folgte im Februar 1964 in Hamburg-Finkenwerder. Die Transall war ein deutsch-französisches Gemeinschaftsprojekt. Der Name ist deshalb auch die Abkürzung für Transporter Allianz, die von Nord Aviation, Weser Flugzeugbau, Hamburger Flugzeugbau (HFB) und Blume Leichtbau und Flugtechnik. Gebaut wurden schließlich 110 Exemplare für die Luftwaffe 50 Stück der ursprünglichen Version C-160F und weitere 29 der Version „NG“ für die Armee de l´Air. Einziger Exportkunde war Südafrika, welches neun Exemplare erhielt.

Die Luftwaffe hatte nie den vollen Bestand von 110 Maschinen, bereits 1971 wurden 20 Stück an die Türkei verkauft. Eingesetzt waren die C-160 der Bundeswehr bei den drei Geschwadern in Landsberg, Wunstorf und Hohn, sowie bei der Wehrtechnischen Dienststelle 61 in Manching. Der dritte Prototyp wurde später an die schweizerische Balair verkauft und flog unter der zivilen Kennung HB-ILN in den Jahren 1968/69 fast 200 Hilfsflüge in Afrika. Später blieb sie in Gabun bei Air Affaires Gabon. Zwei weitere Maschinen wurden durch die Bundesregierung 1980 an Indonesien vermietet, die in dieser Zeit vor Ort zivil registriert wurden. In den Jahren 1981/82 wurden bei rund 1500 Einsätzen 38.000 Indonesier von Java auf andere Inseln umgesiedelt.

In unzähligen Einsätzen bewährte sich die Transall als zuverlässiges Flugzeug. Ob bei humanitären Missionen in Afrika, im Bosnienkrieg, über Afghanistan oder bei der Brandkatastrophe 1975 in der Lüneburger Heide, wo die Maschine als Feuerlöschflugzeug eingesetzt wurde. In den mehr als fünf Jahrzehnten ihrer Dienstzeit bei der Luftwaffe gingen nur vier Flugzeuge durch Abstürze verloren. Der schwerste Zwischenfall ereignete sich am 09. Februar 1975 beim Anflug auf den Flughafen Chania auf Kreta, bei dem alle 42 Menschen an Bord ihr Leben verloren. Zum derzeitigen Zeitpunkt sind in Deutschland noch 13 Exemplare in Museen oder Sammlungen erhalten.

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