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Bauschäden - Pfusch am Bau einfach sichtbar gemacht

Verantwortlicher Autor: Dipl. Ing. Marc Störmer Frankfurt am Main, 05.01.2019, 11:05 Uhr
Fachartikel: +++ Internet und Technik +++ Bericht 5445x gelesen
Thermografie macht Baumängel sichtbar
Thermografie macht Baumängel sichtbar  Bild: Marc Störmer

Frankfurt am Main [ENA] Verzweifelt greifen Bauunternehmer vermehrt auf Hilfskräfte zurück, die zuvor noch nie einen Bauberuf erlernt hatten. Das Ergebnis hat für Bauherren verheerende Folgen. Spätestens nach Ablauf der Gewährleistung - i.d.R. 5 Jahre - treten die Schäden offen zu Tage.

Der Bauboom und der gleichzeitige Fachkräftemangel in Deutschland macht Bauherren das Leben schwer. Nahezu alle Bauunternehmer sind gezwungen, Hilfskräften verantwortungsvolle Aufgaben auf der Baustelle zu übertragen, da der ausgebildete Handwerker einfach nicht mehr da ist. Viel zu spät oder eigentlich gar nicht hat Politik und Industrie erkannt, dass ständiges drücken der Löhne, Mindestlöhne und Ausbeutung ihren Preis haben. Die Folgen werden sich in einigen Jahren zeigen, wenn alle Neubauten von heute dahinvegetieren, verschimmeln und dramatisch an Wert verlieren.

Einfachste Fehler - dramatische Auswirkungen

Beispiel Duschkabine: auf die Eindichtung einer Duschkabine gehe ich hier nicht näher ein, dazu gibt es ausreichend Demo-Videos im Internet. Wohl aber soll darauf hingewiesen werden, das gerade bei diesem wichtigen Bauabschnitt viele Fehler gemacht werden. Um die Dehnungsfugen in den abgedichteten Bereich einzubeziehen, werden dehnbare Dichtungsbänder eingelegt, die dann oft mit der Kelle in die Dichtungsmasse eingeschmiert werden, die den gesamten Nassbereich abdichten soll. Die geringste Verletzung des Dichtbandes an der falschen Stelle kann über Jahre ein dramatisches Ausmaß annehmen. Nur der Fachmann geht mit diesem Thema sensibel genug um, um diesen Fehler zu vermeiden.

In einer Wohnanlage von über 200 Apartments wurden 25 Nasszellen mit der Wärmebildkamera untersucht. Nur 15 Nasszellen haben den Test bestanden und es konnte keine Undichtigkeit festgestellt werden. Bei 7 Nasszellen wurde nachgewiesen, dass die Abdichtung fehlerhaft war und sich das Wasser in der Dehnungsfuge von der Nasszelle her im Bad ausgebreitet hat. In Zwei Fällen hat sich das Wasser in nur Zehn Minuten bis in den Wohnbereich unter dem Laminat hin ausgebreitet. In keinem der Fälle ist das Wasser sichtbar geworden. Folglich kann es jahrelang unbemerkt die Bausubstanz schädigen. Die Beseitigung eines dann sichtbar werdenden Schadens zieht oft hohe Kosten nach sich.

Häufigste Ursache für den Schaden waren verletzte Dichtungsbänder und fehlerhaft eingedichtete Wasserarmatur-Anschlüsse, sowie Wand- und Bodeneinlässe bei begehbaren (bodengleichen) Duschen. Dort war die Fehlerhäufigkeit bei weiter untersuchten Nasszellen mit Abstand am höchsten. Kaum ein Hilfsarbeiter weiß, wie wichtig an diesen Stellen die notwendige Sorgfalt bei der Abdichtung ist und geht geradezu schlampig dabei vor. Die Zeche zahlt dann der Bauherr.

Geplante Insolvenz nach Bauausführung

Die Untersuchung über Pfusch am Bau hat eine weitere, offenbar moderne Haftungsvermeidungs-Strategie zu Tage gefördert. Die geplante Insolvenz. Da in zwei von acht Fällen der Gewährleistungsgeber - Unternehmer - unmittelbar nach der Aufforderung zur Mängelbeseitigung Insolvenz angemeldet hat, musste der Bauherr für die Beseitigung der Baumängel selbst aufkommen. In einem Fall drohte der Bauunternehmer ganz unverhohlen die Hände zu heben, sollten Ansprüche geltend gemacht werden. Für die Beseitigung der Mängel auf Rechnung erklärte er sich jedoch bereit. Hinter solchen Taktiken steckt hohes, kriminelles Potential.

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