Dienstag, 24.11.2020 04:58 Uhr

ZKB-Scholl, kein Fan von Heimarbeit

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 21.10.2020, 17:51 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Wirtschaft und Finanzen +++ Bericht 4403x gelesen

Zürich [ENA] Chef der grössten Kantonalbank hat zweites Trading-Center eingerichtet, Gewinne sprudeln. UBS, CS laufen Amok. In einer Tageszeitung enerviert sich UBS-Chef Sergio Ermotti über ZKB-CEO Martin Scholl. Dessen Blick-Aussage, wonach die Kantonalbanken ihren Eigentümern mehr abliefern würden als Grossbanken, sei „ökonomisch völliger Unsinn“. Scholl lässt das cool. Der ewige ZKB-Oberlenker – er ist seit 2008 am Ruder

bei der Nummer 1 der Staatsinstitute – prescht im Gegenteil vor. Er bedrängt die zwei Finanzmultis in deren einstiger Domäne: Dem Investment Banking. Damit seine Trader weiter rund um die Uhr handeln können, hat Scholl ein zweites Handelscenter eröffnet. Neben jenem auf dem Steinfels-Areal im Kreis 5 der Stadt noch eines am Hauptsitz an der Bahnhofstrasse 9. Dies bestätigte gestern ein Sprecher, wenn auch indirekt. „Die Zürcher Kantonalbank hat keinen zweiten Handelsraum eröffnet.“ „Aufgrund der Corona-Krise hat der Handel ein Team-Splitting vorgenommen. Ein Teil der Mitarbeitenden arbeitet deshalb derzeit in der City.“ Für Scholl, der laut Blick-Interview selber in Quarantäne war, weil sein Sohn positiv getestet worden war,

ist Covid-19 kein Grund, nicht Vollgas zu geben. Er sieht die historische Chance, den Platzhirschen UBS und CS einzuheizen. Das Personal findet’s nicht nur lustig. Es gibt immer wieder Hinweise von Mitarbeitern, wonach die ZKB unter Scholl die Virusgefahr als weniger gross sehe, als dies viele andere Banken auf dem Platz Zürich täten. Während bei den beiden Multis auch im ruhigen Sommer weit über die Hälfte der Belegschaft von Zuhause aus arbeitete, war das bei der ZKB genau umgekehrt. Die Mehrheit befand sich im Büro. Auch jetzt liegt der Anteil jener, die Home Office machen, bei der ZKB im Quervergleich tief. So sollen bis vor kurzem rund 40 Prozent der Angestellten bei sich, in den eigenen vier Wänden, gearbeitet haben.

Bei der UBS und der CS lag der Homeoffice-Anteil hingegen durchs Band stets bei 70 Prozent und mehr. Unter den Privatbanken verhält sich Vontobel ähnlich wie die ZKB: Auch sie will die Leute vor allem wieder im Büro haben und nicht zu Hause. "Selbstverständlich halten wir uns – wie schon immer – an die Empfehlungen des BAG“, sagt hingegen ein Sprecher der ZKB. "So sind zurzeit rund die Hälfte unserer Mitarbeitenden im Homeoffice, Tendenz steigend.“ „Daneben sind selbstverständlich auch die betrieblichen Bedürfnisse zu berücksichtigen.“ „Mit umfangreichen Schutzmassnahmen – unter anderem auch Maskenpflicht – stellen wir sicher, dass Arbeiten in der Zürcher Kantonalbank sicher ist.“

Nichtsdestotrotz ist ein klarer Unterschied zwischen der ZKB und den beiden Grossbanken UBS und CS zu spüren. Die Kantonalbank, die im Wirtschaftsraum Zürich die Nase vorn hat, sieht mit weniger Homeoffice und boomendem Trading die historische Chance, den zwei Multis Marktanteile abzujagen. Der einst stille Scholl, unter dem die ZKB immer grösser wurde, stellt sein Licht plötzlich nicht mehr unter den Scheffel. Ermotti, der immer im Scheinwerfer stand, mag das nicht – und schlägt um sich.

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