Samstag, 17.04.2021 04:05 Uhr

The End für Urs Rohner (CS)

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 06.04.2021, 12:48 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Wirtschaft und Finanzen +++ Bericht 2074x gelesen

Zürich [ENA] Präsident der CS hätte nach Pleiteserie sofort gehen sollen, nun bleibt er noch bis Ende April. Verluste mit US-Hedgefunds übersteigen 4 Mrd. Die Credit Suisse erlebt ihr grösstes Drama seit dem Milliarden-Betrugsfall von 1977 in Chiasso. Heute früh würde Urs Rohner von der Brücke des Tankers steigen, hiess es aus Insider-Kreisen, dreieinhalb Wochen vor dem ordentlichen Ende seiner 10jährigen Ära als oberster CS-Verantwortlicher. Das trat um 7 Uhr nicht ein. Doch der VR der Bank entlässt zwei Topshots und zieht den Antrag auf Décharge für sich und die Geschäftsleitung zurück. Der Grund ist das Schlamassel, in das die CS unter Rohner geraten ist. Innert eines Monats hat die Bank mehrere Milliarden verspielt.

Laut einer Mitteilung von heute früh hat die CS für Verluste rund um den US-Hedgefund Archegos 4,4 Milliarden Franken zur Seite gelegt. Damit erleidet der Finanzmulti für Januar bis März 900 Millionen Verlust vor Steuern. Schon im Schlussquartal 2020 gabs ein Minus, und zwar über 350 Millionen unter dem Strich. Weitere Abstürze stehen vor der Tür. Auch mit den Fonds von Lex Greensill könnte die CS eine – tiefere – Milliardensumme verlieren. Man geht von 2 Milliarden aus. Im obersten Management rollen heute die Köpfe. Wie Bloomberg und die Financial Times in der Nacht meldeten und die CS um 7 Uhr offiziell bestätigte, müssen Risk-Chefin Lara Warner und Trading-Boss Brian Chin gehen. Bleiben kann CEO Thomas Gottstein.

Er erhielt vom Verwaltungsrat das Vertrauen, obwohl die Bank unter Gottsteins Führung innert eines Jahres in Schieflage geraten ist. Kunden sind verärgert und drohen mit Wegzug. Der tiefe Fall der CS ist für den Schweizer Juristen und Präsidenten Urs Rohner eine bittere Pille. Rohner hoffte auf eine bessere Schlussbilanz seiner Führungszeit, nachdem er vor Jahresfrist in der Spionage-Affäre den von ihm geholten Tidjane Thiam durch das CS-Eigengewächs Gottstein ausgewechselt hatte. Nun hat es Rohner im letzten Moment erwischt – quasi an der Schlusshürde. Rohner war vor 40 Jahren zweifacher Schweizer Meister im 110-Meter-Hürdensprint. Damals war Rohner Jus-Student und konnte beobachten, wie sich die CS unter Rainer Gut

aus dem Chiasso-Skandal herausgearbeitet hatte. Unter Rohner ging die Reise in die andere Richtung. Nach der Grossen Finanzkrise von 2008 galt die CS als Favorit im Rennen um die Vorherrschaft im Schweizer Banking. Die UBS musste sich von der SNB respektive dem Bürger vor dem Untergang retten lassen, die CS kam mit privaten Investoren über die Runde. Lange blieb unbemerkt, dass die scheinbar risikofreudigen Kataris für ihre speziellen Finanzhilfen bis zu 9,5 Prozent Zins im Jahr von der Paradeplatz-Bank erhielten. Dabei stammte das eingeschossene Geld zunächst nicht einmal aus der eigenen Schatulle – es handelte sich um einen Kredit der CS. Die Lage erinnert diesbezüglich an die Swissair vor 20 Jahren.

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