Mittwoch, 25.11.2020 18:06 Uhr

K.O.-Schlag für Banken-Lobby: Raiffeisen geht..

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 10.11.2020, 09:10 Uhr
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Zürich [ENA] Genossenschaftsriese verlässt Bankiervereinigung, die steht mit Präsident Scheidt im Regen. Zurück bleiben Privatbanken. Herbert Scheidt, Kapitän der Zürcher Vontobel, war stolz auf seine Wahl vor vier Jahren zum Präsidenten der Bankiervereinigung. Diese wollte er wieder zu einer Art 8. Bundesrat machen. Heute früh erlitt Scheidt Schiffbruch. Die Raiffeisen gab ihren Austritt aus dem wichtigsten Lobby-Verband

der Schweizer Banken bekannt. „Als inlandorientierte und genossenschaftliche Bankengruppe wird Raiffeisen ihre Interessen künftig eigenständig vertreten“, schreibt die Nummer 3 in einer Mitteilung. Ab 1. April 2021 würde sich die Bank unabhängig vom Verband „zu gesetzgeberischen und aufsichtsrechtlichen Themen“ äussern. Ein Knall. Die Bankiervereinigung verliert mehr als nur ein grosses Mitglied. Die Lobby der Finanzhäuser steht vor der Bedeutungslosigkeit. Die Bankiervereinigung kann ihren Schock nur knapp verhehlen. Die Organisation „bedauert den Entscheid ausdrücklich“, schreibt sie in in ihrer eigenen Mitteilung. Die Türen blieben „für die Raiffeisen weiterhin offen“, heisst es weiter.

Denn man könne „gemeinsam für unseren Finanzplatz mehr erreichen“. Der Austritt von Raiffeisen spiegelt die Entwicklung bei den Versicherern. Dort hat kürzlich mit der Axa die Nummer 1 die Beziehung aufgekündigt. Die französische Firma, welche einst die Winterthur erworben hatte, störte sich an Verbands-Präsident Rolf Dörig von der Swiss Life. Der scheut sich nicht, gegen die EU zu wettern. Die beiden Grossbanken UBS und CS engagieren sich kaum noch. Für sie ist Brüssel wichtiger als Bern, in der EU-Hauptstadt betreiben sie ein gemeinsames Lobby-Büro. Heute erfolgt ihr vorgezogener Hinschied. Ohne die führende nationale Kraft Raiffeisen ist die Bankiervereinigung nur noch eine halbe Veranstaltung. Sie kann abdanken.

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