Mittwoch, 25.11.2020 17:05 Uhr

Knall am Uni-Spital: Ganze Spitze weg

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 19.11.2020, 09:43 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Wirtschaft und Finanzen +++ Bericht 1369x gelesen

Zürich [ENA] Präsident Martin Waser, SP, und Vize Urs Lauffer, FDP, werfen Handtuch. Tagi berichtet von möglichem Betrug in Herzklinik. Die beiden obersten Kapitäne des schlingernden Universitäts-Spitals Zürich gehen von der Brücke. Martin Waser und sein Stellvertreter Urs Lauffer sowie eine dritte Person im Spitalrat treten per Mitte 2021 zurück. Damit ziehen die höchsten Verantwortlichen die Konsequenzen aus einem Skandal,

der immer weitere Kreise zieht und in dessen Zentrum die renommierte Herzklinik des Unispitals steht. Gestern kam wieder ein Stück Wahrheit in den Umlauf von den unglaublichen Zuständen bei den Herzärzten. Die hätten Privat- und Halbprivat-Versicherten nicht geleistete Stunden verrechnet. Ein Arzt erzählt, er habe nichts gewusst von Visiten, die er geleistet haben soll. Er sei in der fraglichen Zeit im Ausland gewesen. Ein Krankenkassen-Manager meint, es könne sich um strafrechtlichen Betrug handeln; dann nämlich, wenn die Verantwortlichen bewusst gehandelt hätten. Der sogenannte Klinikmanager in der Herzchirurgie war im Sommer nicht mehr aus dem Urlaub zurückgekehrt. Er soll eine hohe fünfstellige Summe aus dem Bonustopf der Herzchirurgie

erhalten haben. Über den Bonustopf wachte der Herzchef Francesco Maisano. Dieser musste die Klinik im Zuge eines Skandals um Implantate verlassen, an denen der Professor privat beteiligt war, dies aber verschwiegen hatte. Die Leitung des Uni-Spitals unter CEO Gregor Zünd hat die Zürcher Anwaltskanzlei Wartmann Merker mit der Untersuchung rund um den Herz-Bonuspool beauftragt. Bei Wartmann Merker ist eine junge Anwältin beschäftigt, deren Schwester im Uni-Spital arbeitet und enge Beziehungen hat zu den zentralen Figuren in der Herzchirurgie. Die Anwältin konnte über ihre Schwester auch den Operationssaal Nummer 8 des Uni-Spitals besichtigen, welchen Herzchef Maisano exklusiv für seine umstrittenen Eingriffe genutzt hatte.

Die Versicherungen machen Druck wegen des möglichen Betrugs an der Herzchirurgie, die Zürcher Patientenstelle hat Strafanzeige gegen den Ex-Herzchef eingereicht, ein betroffener Patient, der fast gestorben ist, droht ebenfalls mit Strafanzeige. CEO Zünd läuft die Zeit davon. Der operative Chef des Uni-Spitals hat mit immer neuen Untersuchungen auf die Skandale und Enthüllungen reagiert. Nie aber hat Zünd frühzeitig ein Machtwort gesprochen. Behind the Curve, sagen die Engländer. Nach dem Abtritt der Spitalrats-Spitze dürfte der Druck auf Chef Zünd steigen. Ein kompletter Neuanfang am Zürcher Uni-Spital zeichnet sich ab.

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