Montag, 06.12.2021 15:17 Uhr

Subversive Aktionen im Arbeitsalltag

Verantwortlicher Autor: Prof. Richard Streich Paderborn, 25.11.2021, 17:36 Uhr
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Paderborn [ENA] Die folgenden Gedanken beschäftigen sich mit zum Teil subversiven und destruktiven Vorgehensweisen. Akteure sind sowohl die Mitarbeiter als auch die Führungskräfte. Ausschlaggebend sind die eigene Betroffenheit und der Wille, vorherrschende, für sie als nicht befriedigend empfundene Zustände am Arbeitsplatz, aktiv und kompromisslos zu ändern.

Die nachfolgenden „Regeln des Bürokriegs“ wurden empirisch erhoben und umfassen vier Regelfelder (vgl. im Folgenden: Pardoe, B.L: Karriere im Minenfeld, 1999, S. 215ff). Diese sind im Einzelnen: 1. Angriffsregeln, 2. Verteidigungsregeln, 3. Informationsregeln und 4. Feindesregeln. Zur Verdeutlichung, welche subversiven Handlungen pro Aktionsfeld einen „Bürokrieger“ ausmachen, können aufgeführt werden:

Beispiele zu Punkt 1: Angriffsregeln. Greifen Sie an, wenn der Gegner am schwächsten ist bzw. es am wenigsten erwartet. / Schicken Sie mindestens einen Anderen an Ihrer Stelle in die Schlacht. / Je unkonventioneller Ihre Attacke ist, desto besser sind Ihre Erfolgschancen. / Bedenken Sie, dass Sie in den Augen der Anderen nur so gut sind, wie Ihr letzter Sieg. / Gehen Sie nur einen Kampf ein, wenn Ihnen der Sieg einen Vorteil bringt.

Beispiele zu Punkt 2: Verteidigungsregeln. Sorgen Sie dafür, dass Sie immer mindestens einen Sündenbock vorhalten. / Machen Sie nie Pläne, die Sie selbst nicht ändern können. / Nein können Sie immer sagen, es ist besser manchmal abzuwarten. / Machen Sie sich niemals unersetzbar, denn damit zementieren Sie Ihre aktuelle Position und verhindern weitere Karriereschritte. / Stellen Sie Ihren Gegner nie öffentlich bloß, um Rachepläne seinerseits zu verhindern.

Beispiele zu Punkt 3: Informationsregeln. Bedenken Sie, dass es immer mehrere „Wahrheiten“ gibt, entscheidend ist, wie die Wahrheit wahrgenommen wird. Diese Wahrnehmungen können Sie beeinflussen. / Kontrollieren Sie die Kommunikation, denn so kontrollieren Sie Ihr Umfeld. / Gehen Sie immer davon aus, dass Ihre E-Mails auch von Nicht-Adressierten gelesen werden und nutzen Sie dies zu Ihrem Vorteil. / Setzen Sie Ihrem Team immer höhere Ziele, denn wenn es seine Ziele erfüllt hat, beginnt es, sich zu zerstören. / Halten Sie Ihre Ziele geheim, aber: wenn Sie Ihre Pläne Anderen anvertrauen, haben Sie hierdurch jemanden, der im Notfall mit verantwortlich ist.

Beispiele zu Punkt 4: Feindesregeln. Beziehen Sie Andere mit ein, wenn Sie gewinnen wollen. / Lassen Sie Ihrem Widersacher immer einen Ausweg, aber dieser Ausweg darf nicht einfach sein. / Kontrollieren Sie die Berichte, Vorlagen etc. Ihres Gegners genau. / Verpassen Sie keine Chance, einen Treffer zu erzielen. Aber: Geben Sie Ihrem Widersacher die Chance, sein Gesicht zu wahren. / Kalkulieren Sie das Schlimmste ein und gehen Sie davon aus, dass Ihr Gegenüber über weniger Skrupel verfügt, als Sie.

Die vorgestellten Regeln einer Selbstverteidigung in der Berufswelt gewinnen umso mehr an Bedeutung, je stärker Sie sich einem Konkurrenzkampf ausgesetzt sehen. Ob die propagierten Handlungsempfehlungen zielführend sind, hängt nicht nur von Ihrer Aktionsbereitschaft und -intensität ab, sondern auch von dem Verhalten der Anderen, der Akzeptanz des Umfeldes und der vorliegenden Kultur in Ihrer Organisation.

Ziel dieser Selbstverteidigungsregeln ist es, insbesondere subversive, manipulative und konkurrierende Handlungsweisen im Berufsalltag anzuwenden. Eher konstruktive und argumentative Vorgehensweisen im Sinne eines „Büro-Kung-Fu“, beziehen die Sichtweisen des Gegenübers adäquat mit ein und werden dementsprechend sozialverträglicher wahrgenommen (vgl. Schulz, St.: So verteidigen Sie sich gegen Ihren Chef, in: Spiegelonline, 18.4.2012). Ein solches Vorgehen geht i.d.R. einher mit Verhandlungsprozessen im Sinne eines konstruktiven Miteinanders.

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