Mittwoch, 25.11.2020 17:08 Uhr

Karl Lagerfeld’s Jogginghose – die Disruption

Verantwortlicher Autor: daniel pfaffen Zürich, 09.11.2020, 18:40 Uhr
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Zürich [ENA] „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ ist aktueller und relevanter denn je. Karl Lagerfeld war einer der letzten Universalgenies unserer Zeit, auch durch seine scharfe Zunge wird er uns immer in Erinnerung bleiben. Das allgemeine Erscheinungsbild der Menschen hat sich sehr zum Negativen verändert. Oft erkenne ich die Menschen gar nicht wieder.

Das allgemeine Erscheinungsbild der Menschen hat sich sehr zum Negativen verändert. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität verdoppelt sich der Grad der äußerlichen Verwahrlosung alle drei Tage. Bei dem äußerlich ungepflegten Menschen kann das Auftreten viele Gründe haben. Erscheint er insgesamt in seiner Art verlangsamt, traurig und antriebsarm? Dann könnte es sich durchaus um eine psychische Krankheit wie Depression handeln. Für diese Menschen ist jeder Schritt ein enormer Aufwand, alles erscheint zu viel.

Was der gesunde Mensch mit Aufstehen, Waschen, Arbeiten, Kochen, Einkaufen oder Sport als Routine in den Tag integriert, ist für den psychisch geschwächten Menschen eine enorme Hürde. Wenn es für den normalen Menschen mühsam erscheint, einen Zweitausender hinaufzuwandern, so stellt sich für den antriebsarmen Menschen schon der Gang vom Bett ins Bad als ähnliche Herausforderung dar. Aussehen treten in den Hintergrund.

Es wäre zu einfach dieses Phänomen alleine der Corona Pandemie zuzuordnen, denn der schlampige Umgang mit der Pflege und Aussehen hält schon länger an als der Ausbruch des Virus. Die Frage ist doch wie eng sind die Verbindung zwischen den großen gegenwärtigen Umwälzungen und der Gemüter des Einzelnen. In einer Zeit, in der Wissenschaft, Unternehmen und Regierungen lernen, wie man das menschliche Gehirn hackt, ist diese Entwicklung düsterer denn je.

Das beschleunigende Tempo der technologischen Disruption verursacht ein Gefühl der Orientierungslosigkeit. Unser Gesellschaft war während des industriellen Zeitalters darauf ausgerichtet, eine Welt der Automobile, der Ölraffinerien und der Fernsehgeräte zu verwalten. Sie tut sich schwer mit den Revolutionen die sich gerade in der Informationstechnologie und der Biotechnologie vollziehen. Kaum jemand ist in der Lage, die neuen Technologien zu verstehen, geschweige denn ihr explosives Potenzial in den Griff zu bekommen.

Beim Besuch jeder Digitalisierungskonferenz stellt man immer wieder fest, dass sich die meisten Teilnehmer damit schwer tun. Vorn reden jene, die schon wieder allerneueste Lösungen und Technologien hochloben, während das Publikum schweigt. Hat man nicht gerade die künstliche Intelligenz halbwegs verstanden geht es weiter mit Blockchain. Mag sein, dass einfache Menschen von künstlicher Intelligenz und Biotechnologie nichts verstehen, aber sie spüren dass die Zukunft an ihnen vorbeigeht.

Seit den 1990er Jahren hat das Internet die Welt vermutlich stärker verändert als jeder andere Faktor, doch gelenkt wurde die Internet-revolution von Technikern und Geschäftsleuten. Die Gesellschaft ist noch immer damit beschäftigt zu begreifen von was es da getroffen wurde, und sie ist schlecht gerüstet, um mit den nächsten Erschütterungen wie den Aufstieg der künstlichen Intelligenz und der Blockchain -revolution fertig zu werden. Der gemeine Mensch fühlt sich zunehmend bedeutungslos und vermutet dass keines dieser Wörter - Globalisierung, Blockchain, Künstliche Intelligenz - etwas mit ihnen zu tun hat.

Die audiovisuelle Kulturindustrie hat die Aufmerksamkeit seiner Zuschauer vereinnahmt und diese in eine unmündige Konsumentenposition gedrängt. Die gesellschaftlichen Strukturen werden zerstört. Die Gesellschaft ist durch die kapitalistisch organisierten Medien infantilisiert; sie ist unfähig, Verantwortung zu übernehmen, und deswegen auch unmündig und nicht dazu in der Lage, für die Mündigkeit ihrer eigenen Kinder Sorge zu tragen. Die Folgen sind beträchtlich: die Telekratie ersetzt die Demokratie und das Marketing wird zum dominanten Instrument der Sozialkontrolle.

Das Ziel ist, die Kontrolle über die Verhaltensprogramme zu übernehmen, um sie den unmittelbaren Bedürfnissen des Marktes besser anpassen zu können. Der von der Kulturindustrie in Gang gesetzte Prozess, der die transzendente Vorstellungskraft zerstört, führt zum Verlust der Vernunft und genauer zum Verlust des Lebensgrundes, der uns das Gefühl des Existierens vermittelt. Wenn wir die Technologien und die Kulturindustrie nicht einer ökologischen Kritik unterwerfen, wenn wir nicht zeigen, dass die unbegrenzte Ausbeutung des Geistes als Markt zum Ruin führt, dann wird sich der Grad der äußerlichen Verwahrlosung der Menschen exponentiell verschlimmern.

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