Mittwoch, 20.01.2021 18:37 Uhr

Anlageform Silber und Gold mit Vorsicht genießen 28.12.20

Verantwortlicher Autor: Uwe Hildebrandt Göttingen, 29.12.2020, 00:25 Uhr
Fachartikel: +++ Special interest +++ Bericht 3929x gelesen
Wenn das alles echte Goldmünzen wären, ist die Rente da
Wenn das alles echte Goldmünzen wären, ist die Rente da  Bild: Uwe Hildebrandt

Göttingen [ENA] Wohin mit seinem Geld in diesen Coronazeiten und Nullzinspolitik ? Am besten dorthin, wo es mindestens soviel wert bleibt wie es ist, am besten aber möchte man natürlich sein Geld vermehren, aber das ist in der heutigen Zeit die Schwierigkeit, die viele haben.

Durch Corona sind viele Urlaubsfreuden ausgefallen, Veranstaltungen groß oder klein ausgeblieben, feudale Essensgelage kamen nicht zustande, längst eingeplante und reservierte Ausgaben sind noch auf dem Konto und schmoren im besten Falle zum Nullzinstarif vor sich hin; oder kosten sogar jeden Monat Geld. Aktienanlagen sind vielen ein zu unbekanntes Gebiet, anderen ist noch der Neue Markt im Gedächtnis, wo viele Neuanlegerblasen kurzfristig geplatzt sind und Abermillionen verloren gingen.

Da kommt die rettende Idee: Legen Sie zumindest einen Teil Ihres Geldes in Edelmetallen an. So präsentieren sich vermehrt im ganzen Jahr 2020 einige führende Anbieter dieser Produkte insbesondere im Teleshopping, setzen bis zu 6 stündige Mammutmünzsendungen auf, bei denen es hauptsächlich um sogenannte Anlagemünzen geht, insbesondere Gold- und Silbermünzen oder auch sogenannte Bricks, Barrenmünzen, die gleich im 50iger Pack angeboten werden. Gold Matinee, Goldshop, wie immer sich die Shows nennen, es geht viel um Angebote auf dem Gold- und Silbersektor.

Ein scheinbar lukratives Angebot, denn es ist überall nachvollziehbar, der Kurs des Goldes hat sich von 2003 kurz nach der Euro – Einführung immer nur in eine Richtung bewegt, abgesehen von kleinen Kursdellen, nämlich nach oben. Damals gab es eine Unze Gold für rund 360 US Dollar, heute zahlen Sie über 1850 US Dollar aktuell. Auch der Silberkurs hat sich stetig entwickelt: Anfang 2003 gab es die Silberunze für rund 4.70 US Dollar, jetzt zahlen Sie aktuell 26 US Dollar.

Eigentlich eine sichere Anlage, würden jetzt viele denken, doch die Tücken sind im Detail. Gold ist nämlich nicht gleich Gold, Münze nicht gleich Münze, Barren nicht gleich Barren. Ich möchte Sie heute einmal darüber aufklären, was Sie insbesondere beim Kauf von Gold und Silbermünzen / Barren beachten müssen, damit sich Ihre vermeintlich gekauften Anlagestücke nicht nur so entwickeln, wie Sie das möchten, also nach oben, sondern das Sie zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit haben, in Not oder einfach so auch die Stücke wieder zu verkaufen, vornehmlich an Banken. Deshalb fange ich dort an.

Banken bieten in der Regel verschiedene Stückelungen bei Gold- und Silberbarren an, die einen An- und Verkaufswert haben. Der differiert, die Bank möchte ja auch was verdienen. Genauso verhält es sich bei Gold- und Silbermünzen, sofern Silbermünzen angeboten werden. Doch handelt die Bank nicht mit allen Barren und Münzen, es müssen bestimmte Hersteller sein, die z. B. offiziell Barren herstellen, z. B. Degussa ist ein sehr bekannter Hersteller von Goldprodukten in Deutschland.

Es gibt noch viele weitere Hersteller. Bei den Goldmünzen werden i.d.R. nur die angeboten und dann auch wieder angekauft, die sozusagen weltweit verbreitet sind, dazu gehören z.B. der Krugerrand aus Südafrika, die Wiener Philharmoniker aus Österreich, der Maple Leaf aus Kanada oder American Eagle aus den USA. Natürlich kaufen Banken in Deutschland auch Ausgaben an, die offiziell in Deutschland ausgegeben werden, wie die 100 Euro Goldmünze.

Die größte Goldmünze der Welt aus Australien
Nennwert 1.000.000 Dollar
Wegtragen unmöglich

Jetzt wird´s spannend: Sie kaufen bei einem Teleshopping Sender eine Goldmünze aus Ländern wie Tschad, Ghana, Elfenbeinküste u.ä. Dies sind zwar i.d.R. ebenso reine Goldmünzen 0.999 Feingehalt, mit 0.3g, 0.5g oder gar 1g. Dies sind aber häufig Sonderproduktionen, die Sie eben nicht bei einer Bank hier in Deutschland zu Geld machen können, jedenfalls keinesfalls mit Gewinn. Denn: Sofern es sich lohnt, kauft die Bank reine Gold- und Silbermünzen gegen „ Materialwert „ an, abzüglich bis zu 30 % Schmelzkosten. Ausnahmen sind möglich. Aktuelles Beispiel: Es gibt aus Armenien eine 5 kg Silbermünze Arche Noah, Kaufpreis derzeit ca. 4400 Euro. Der Silberpreis liegt bei rund 690 Euro / kg.

Rein vom Material hat die Münze einen Wert von „ nur „ 3450 Euro. Davon würden noch bei der Bank die Schmelzkosten abgezogen, selbst wenn es nur 10 % wären, bekämen Sie nur 3105 Euro zurück. Bis der Kilopreis auf 940 Euro steigt, damit Sie aus dem Geschäft ohne Verlust herausgehen, können Sie lange warten. Anderes Beispiel: Bei einem Teleshoppingsender werden 1/200 Unzen Goldmünzen mit Topbestpreis 19.99 Euro angeboten. Geworben wird damit, nehmen Sie gleich mehr mit. Klar, als Geschenk nicht schlecht. Klar, wenn man irgendwann mal jemanden findet z.B. auf einer Versteigerungsplattform, der mehr dafür zahlt, ok. Fakt ist aber, und das muß einem als Anleger klar sein, das diese Münze gerade mal einen Materialwert von 7.67 Euro hat.

Bei aktuellem Unzenpreis 1534 Euro. Nicht anders verhält es sich bei den angebotenen Barrensets. Von wegen Wertanlage. Wertanlage ja, aber mit garantiertem Verlust. Aktuelles Beispiel: 50 Weißgoldbarren je 0.5g Polierte Platte platiniert Kongo Nominal je 100 Francs. Angebot für 2950 Euro. Manchmal wird dann im TV aktuell der Preis nochmal etwas reduziert. 15g Gold kosten jedenfalls derzeit rund 760 Euro. Und eine Bank kauft ihnen das Set nicht ab. Höchstens zum Materialwert mit Abzug. Da stehen Sie aber schlecht da. Ob Sie diesen Preis jemals irgendwo wieder erzielen, ist so gut wie ausgeschlossen.

So oder ähnlich verhält es sich mit den ganzen Sonderausgaben Gold- und Silbermünzen, die noch mit Bruchstücken von Meteoriten, Edelsteinen, Farbapplikationen oder was weiß ich veredelt sind. Das sind zu 99 % Sonderanfertigungen, keine offiziellen Ausgaben der Länder. Diese Münzen werden natürlich mit Genehmigung und Lizenz der Länder produziert, wenn ich dann höre: Das sind offizielle Zahlungsmittel, sage ich nur: Versuchen Sie mal in einem der Länder mit einer Goldmünze mit aufgebrachtem Meteoriten zu bezahlen in einem Geschäft.

Der Händler wird die Münze nicht kennen, vielleicht nimmt er sie an weil er sie haben möchte oder er erkennt, das es Gold ist. Fakt ist, diese Münzen haben generell so minimale Nennwerte, das es sich sowieso niemals lohnen würde, mit so einer Münze überhaupt zu versuchen, zu bezahlen. Denn beispielsweise haben manche angebotenen Ghana Goldmünzen 5 Cedis Nennwert, das sind gerade mal 70 Cent. WOW. 1 Franc / genau CFA – France hat im Tschad den Wert von 0.0015 Euro. Exorbitant.

Um es auf den Punkt zu bringen: Es gibt tolle Münzen, die schön aussehen, selten sind, diverse Applikationen haben, in Blistern, Teddybären oder Prunkschatullen ausgeliefert werden, natürlich mit Zertifikat. Diese eignen sich als Sammelobjekte, weil sie schön sind, zum Verschenken, zum Angeben usw. Diese haben auch einen Wert, eignen sich in der Regel aber nicht zu Anlagen, um sein Geld abzusichern für die Zukunft.

Verlust ist hier vorprogrammiert, denn bis ihr bezahlter Preis wirklich über den Kurs des Edelmetalls erreicht wird, wenn überhaupt, vergehen wahrscheinlich Jahrzehnte. Sie möchten doch sicherlich nicht diese Münzen teuer einkaufen um später in Notzeiten mit einer 0.5g Goldmünze ein Brot bezahlen zu müssen ? Dieses Beispiel wird immer allzu gerne genannt, wenn der Euro mal nichts mehr wert sein sollte. Die Begründung: Kaufen Sie kleines Gold, denn wie wollen sie sonst beim Bäcker bezahlen ?

Ich möchte Ihnen zum Schluß des Berichtes wirklich eine wie ich finde sinnvolle Anlage in Gold nennen: Die jährlich aus Frankreich erscheinenden Goldmünzserien. Diese haben einen Nennwert von 100, 250, 500, 1000, 2500 oder 5000 Euro. Wenn Sie geschickt einkaufen, können Sie diese zum Nennwert ohne Aufschlag kaufen, haben also schonmal keinen Verlust, denn den Nennwert bekommen Sie ja immer wieder. Achtung: Münzen aus Frankreich können nur in Frankreich zurückgetauscht werden, lt. Bankauskunft aber auch in Deutschland bei französischen Banken.

Diese Münzen haben einen weiteren Vorteil: Sie bestehen aus reinem Gold und sind von der Gewichtung so, das Sie natürlich mehr als den aktuellen Goldpreis bezahlen, aber eine echte Chance besteht, in wenigen Jahren auch über den Goldpreis einen Gewinn zu erzielen. Abgesehen davon werden diese Münzen schon kurz nach der Ausgabe über Nennwert verkauft.

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