Samstag, 25.11.2017 12:14 Uhr

Güter werden auf der Autobahn gelagert.

Verantwortlicher Autor: Rolf Fischer Berlin, 22.08.2017, 11:35 Uhr
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Lagerhaltung auf den Autobahnen.
Lagerhaltung auf den Autobahnen.  Bild: Frei CCO Pixabay

Berlin [ENA] Just in time. Dieser Slogan gilt seit vielen Jahren für viele Unternehmen in Deutschland. Lagerhaltung ist teuer und wird kaum noch betrieben. Die günstige Lösung bietet die Autobahn. Was den Betrieben Geld spart, belastet die Volkswirtschaft und der Verkehrskollaps ist kaum noch zu vermeiden.

Just in time. Dieser Slogan gilt seit vielen Jahren für viele Unternehmen in Deutschland. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist der Bau und Unterhalt von großen Lagerhallen sehr kostenintensiv und daher nicht rentabel. Benötigte Teile für die Produktion werden nicht mehr auf langen Lagerregalen gehortet, sondern zeitgenau mit Lkw, Bahn oder Schiff geliefert. Das erspart den Firmen hohe Kosten, belastet aber die Volkswirtschaft. Insbesondere der zunehmende Lkw Verkehr sorgt für Probleme auf den Autobahnen. Kilometerlange Staus und Unfälle mit Lastwagen sind mittlerweile alltäglich. Der Verkehrskollaps ist absehbar. Doch es gibt Lösungen.

Güterverkehr ohne Raum. Jährlich werden in Deutschland viele Tonnen von Gütern aller Art, auf der Straße, auf der Schiene und auf den deutschen Flüssen, hin und her bewegt. Die deutschen Autobahnen haben für den Güterverkehr die größte Bedeutung. In Deutschland werden jährlich circa 4 Milliarden Tonnen Güter bewegt. Von diesen Gütern werden 3,5 Milliarden Tonnen mit dem Lkw, 364 Millionen Tonnen mit der Bahn und 222 Millionen Tonnen mit dem Binnenschiff transportiert. Bei diesen Zahlen wird schnell klar, dass es auf den rund 12819 deutschen Autobahnkilometern langsam sehr eng wird.

Die Güterautobahn. Der normale Lkw, der sich auf der Autobahn bewegt, ist ein 40 Tonner mit einer Länge von 18,75 Metern. Das durchschnittliche Ladevolumen solch eines Fahrzeuges liegt bei circa 100 Kubikmetern. Die 3,5 Milliarden Tonnen Güter entsprechen rund 70 Millionen Lkw Ladungen, die von 3 Millionen in Deutschland zugelassenen Lkw gefahren werden. Würde man diese Fahrzeuge gleichzeitig hintereinander aufstellen, würde diese Lkw – Schlange 45.000 Kilometer lang sein, also etwas mehr als einmal um den Äquator der Erde reichen. Täglich quälen sich tausende dieser Lkw auf den deutschen Autobahnen.

Da die Kapazität beim Ausbau der Autobahnen eher beschränkt ist, hat das Bundesverkehrsministerium die sogenannten Gigaliner genehmigt. Diese sind rund 6,5 Meter länger, dürfen aber das maximale Ladegewicht von 40 Tonnen nicht überschreiten. Die Erhöhung des Transportvolumens ist aber bei leichten Gütern von Vorteil. Würde man die Güter nur noch mit diesen Riesenlastern transportieren, würden dafür nur noch rund 47 Millionen Lkw Ladungen benötigt werden. Das wäre in der Tat eine spürbare Entlastung der Autobahnen. Doch eher ist zu befürchten, dass diese Gigaliner die herkömmlichen Lkw ersetzen werden. Höhere Transportkapazitäten bedeuten für die Speditionen letztendlich höhere Gewinne.

Die Bahn. Statt die Gigaliner zu favorisieren, bietet sich an, die vorhandenen Alternativen zum Lkw verstärkt zu nutzen. Die Bahn spielt bisher beim Gütertransport nur eine untergeordnete Rolle in Deutschland. Nur rund 364 Millionen Tonnen Güter werden mit der Bahn jährlich bewegt. Das entspricht gerade mal 8 % des Gesamtvolumens. Der durchschnittliche Güterzug besteht aus einer Lok und 40 Waggons, was einer Länge von 700 Metern entspricht. Die Ladekapazität eines Güterwagens entspricht die eines normalen Lkw – Sattelzuges. Das heißt, ein Güterzug mit 40 Waggons besitzt eine Gesamtladekapazität von 1.600 Tonnen oder 4.000 Kubikmeter Ladevolumen.

Jährlich bewegen rund 400.000 Güterzuge die 364 Millionen Tonnen über das deutsche Schienennetz. Anhand dieser Zahl wird schon klar, dass der Transport auf der Schiene für die Umwelt, allein schon wegen des geringeren CO2 Ausstoßes, weniger belastend ist, als der Gütertransport auf der Straße. Würde man die Güter, die zurzeit noch auf der Straße transportiert werden, auf die Schiene verlegen, wären dazu circa 1,75 Millionen Güterzüge notwendig. Zurzeit testet die Bahn erfolgreich Güterzüge, die eine Länge von 1.000 Metern erreichen. Dadurch wird die Transportkapazität pro Güterzug noch einmal um 800 Tonnen, bzw. um 2.000 Kubikmetern, erhöht.

Das Binnenschiff. Die Gesamtlänge der schiffbaren Flüsse in Deutschland beträgt rund 5.410 Km. In Deutschland gibt es circa 4800 Binnenschiffe verschiedener Typen. Die durchschnittliche Transportkapazität eines Gütermotorschiffes liegt bei 1.300 Tonnen. Auf den Flüssen werden jährlich 222 Millionen Tonnen Güter transportiert, was gerade mal 5 % des Gesamtvolumens ausmacht. Die Binnenschifffahrt ist das Schlusslicht beim Gütertransport in Deutschland.

Wie wird die Autobahn entlastet? Die einseitige Konzentration der Politik auf die Gigaliner wird letztendlich nicht die Lösung gegen verstopfte Autobahnen sein. Jedes Transportmittel für sich birgt Vor- und Nachteile. Der Lkw ist bestens geeignet für den schnellen von Haus zu Haus Transport. Das ist seine Stärke, die aber einhergeht mit hoher Umwelt- und Verkehrsbelastung. Der Vorteil der Bahn liegt bei dem schnellen Transport von Gütern, über große Entfernungen, hoher Umweltverträglichkeit und niedriger Verkehrsbelastung. Der schnelle von Haus zu Haus Transport ist nur mit einigem Aufwand, wie eigener Gleisanschluss beim Versender, sowie beim Empfänger, möglich. Genau da liegt auch der Nachteil des Gütertransportes per Bahn.

Ähnlich sieht es auch beim Transport per Binnenschiff aus. Der Vorteil der hohen Transportleistung und der Umweltfreundlichkeit wird durch die natürliche Infrastruktur geschmälert. Nicht überall gibt es schiffbare Flüsse. Als Nachteile sind auch die geringe Geschwindigkeit, im Vergleich zu den anderen Transportmöglichkeiten, und die starke Abhängigkeit der Transportleistung von den schwankenden Wasserständen, zu sehen.

Eine wirkliche Entlastung der Autobahnen vom wachsenden Lkw Verkehr, könnte der Ausbau der Infrastruktur aller drei Transportsäulen sein. Die Wachstumszahlen beim Gütertransport durch Container zeigen das auch deutlich. Hier sind alle drei Säulen vorteilhaft kombiniert. Das Binnenschiff wird für den Langstreckenverkehr, der Güterzug auf den Mittelstrecken und der Lkw auf den Kurzstrecken eingesetzt. Die Zukunft des Güterverkehrs kann nur im konsequenten Ausbau dieser Kombination, von Binnenschiff, Güterzug und Lkw, liegen. Hier ist die Politik gefragt, damit es nicht zum Kollaps auf den Autobahnen kommt.

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