Dienstag, 02.06.2020 17:39 Uhr

Reformer “entsetzt” über Angstmache durch Kardinäle

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg München, 10.05.2020, 18:10 Uhr
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München [ENA] Nach der Deutschen Bischofskonferenz haben auch Kirchenreformer scharfe Kritik an “Verschwörungstheorien” zur Corona-Krise geübt, die in einem Manifest katholischer Würdenträger enthalten seien. Die Bewegung Wir sind Kirche erklärte ihr Entsetzen darüber, wie “verantwortungslos” sich Kardinäle wie der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation Gerhard Ludwig Müller zu “Handlangern” von Verschwörungstheorien machten.

“Wir sind Kirche ist entsetzt darüber, wie verantwortungslos bekannte Kirchenmänner wie der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation Kardinal Müller oder Erzbischof Viganò, der frühere Päpstliche Botschafter in den USA, sich zu Handlangern von Verschwörungstheorien in der Corona-Krise machen”, hiess es in der am Sonntag in München veröffentlichten Mitteilung. Die erklärten Gegner von Papst Franziskus machten sich damit “lächerlich”. Diesen Reformgegnern gehe es nicht darum, den Glauben zu verteidigen, sondern darum, “Angst zu schüren”. Die Glaubenden würden aufgefordert, sich von solchen “so genannten Hirten, die im Neuen Testament ‘Mietlinge’ genannt würden, nicht verführen zu lassen.”

Gerade in einer großen Krise seien Vertrauen und Glaube gefordert. “Und dieser Glaube führt zu überwältigender Solidarität über die Grenzen der jeweiligen Glaubensgemeinschaft hinaus”, schrieben die Reformer. Jetzt angesichts der Einschränkungen bei den Gottesdiensten laut Religionsfreiheit einzufordern, zeuge von “Scheuklappendenken”. So wichtig Liturgie für den Zusammenhalt der Christen sei, so wichtig sei “der Dienst für alle Menschen, so wichtig ist das Glaubenszeugnis, das sich in verantwortlichem Reden und Handeln zeigt.” Laut Internetportal katholisch.de sucht Vigano in seinem Aufruf für die Kirche und die Welt vom Freitag zusammen mit Kardinal Müller “den Schulterschluss mit Verschwörungstheoretikern und Impfgegnern”.

Verschwörungsdenken sei ein roter Faden im Werk Viganòs. Dessern Initiative wurde außer von Kardinal Müller auch von Kardinal Joseph Zen Ze-kiun aus Hongkong sowie anderen katholischen Geistlichen, Medizinern, Journalisten und Anwälten unterzeichnet. Der Präfekt der Gottesdienstkongregation, Kardinal Robert Sarah, äusserte auf Twitter, er teile die "Sorgen" des Appells. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, erklärte gegenüber tagesschau.de, die Bewertung der Corona-Pandemie durch die Bischofskonferenz unterscheide sich “grundlegend” von dem Aufruf. Laut Manifest liegt angesichts von Covid-19 ungerechtfertigter "Alarmismus" vor.

Man habe "auf Grundlage offizieller Daten der Epidemie in Bezug auf die Anzahl der Todesfälle" Grund zur Annahme, es solle durch "interessierte Kräfte" Panik geschürt werden. "Fremde Mächte" mischten sich ein, "supranationale Einheiten" mit unklaren Absichten und "sehr starken politischen und wirtschaftlichen Interessen". Auch wird von Projekten gesprochen, "um besser manipulieren und kontrollieren zu können", und von einer "Politik der drastischen Bevölkerungsreduzierung" sowie einem "beunruhigender Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung". Es gehe um den Kampf gegen einen "unsichtbaren Feind". Viganò hatte bereits zum Exorzismus gegen die Pandemie aufgerufen und eine Petition zur Wiedereröffnung der Bäder von Lourdes veröffentlicht.

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