Samstag, 25.11.2017 08:40 Uhr

Ökumene und die Frage über die Freiheit des Glaubens

Verantwortlicher Autor: Edgar Hungs EUPEN (Belgien), 13.11.2017, 10:19 Uhr
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Zahlreiche Gläubige beider Konfessionen nahmen an der Diskussion über die Ökumene in Eupen teil.
Zahlreiche Gläubige beider Konfessionen nahmen an der Diskussion über die Ökumene in Eupen teil.  Bild: Edgar Hungs

EUPEN (Belgien) [ENA] Nach einem jahrhundertlangen Gegeneinander zwischen der katholischen und der protestantischen Kirche stand im Lutherjahr 2017 die Zeichen auf einen konstruktiven und vertrauensvollen Dialog miteinander. Die Bestrebungen um die Einheit aller Christen sollen eine zukünftige Annäherung ermöglichen.

Doch wie sieht es an der Basis aus? Wie gehen Christen mit den neuen Herausforderungen um? Wie kann Luther wegweisend bei diesen Überlegungen sein. Der Hl. Johannes Paul II. bezeichnete in seiner Amtszeit als Oberhirte der Katholischen Kirche Luther als „großen Glaubenszeuge“. In einer offenen Gesprächsrunde vertieften rund 30 Zuhörer in der Pfarrbibliothek Eupen St. Nikolaus ihre Gedanken über mögliche Wege der Einheitsbestrebungen beider Konfessionen.

Emotionaler Umgang mit den Glaubensformen Im Austausch mit Dr. Heidi Christmann (Evangelische Pfarrerin) und Karl-Heinz Calles (Kaplan) gab es auch kritische beizeiten emotionale Töne. Dies bereicherte den Abend. Beide Referenten hatten in ihren jeweiligen Exposés über Sachstand und gegenseitiger Inspiration informiert. Zuvor hatte Prof. Alfred Minke als Kirchenhistoriker in das Thema eingeführt. Eins sei vorweggenommen: in der Diskussion wurde ersichtlich, dass die beiden Konfessionen zwar interessante Ansätze einer Annäherung aufzeigen, die Einheit droht aber an der Glaubensfreiheit zu scheitern.

Die Freude der Vielfalt Dr. Christmann spricht dann eher von einer versöhnten Verschiedenheit, von der Freude der Vielfalt. Für sie bleibt die Hl. Schrift ein Zeichen der Anwesenheit Gottes in der Kirche. Deshalb spielt die Theologie des gegenseitigen Verstehens eine zentrale und orientierte Rolle in ihren Augen. Die Normen und Formen in den beiden Kirchengemeinschaften scheinen für Kaplan Calles eher die Annäherung zu blockieren, als wirklich zu stimulieren.

Die Bibel ist kein Lesebuch, sondern in seinen Augen ein Hand- und Arbeitsbuch, um den Glauben besser zu verstehen. Der existenzielle Glaube birgt die Gefahr, dass die lebendige Verbundenheit und der persönliche Glaube verarmt. Ein kreativer Umgang mit den Bibeltexten stützt das unmittelbare Verhältnis des Einzelnen zu Gott. Zu sehr stehen für Kaplan Calles die Sakramente im Vordergrund. Es müsse mehr 'Schrift' in der katholischen Kirche geben.

Parallele zwischen Luther und heute Mit der Erfindung der Buchdruckkunst stand die Kirche zu Beginn des 16. Jahrhunderts vor einer gesellschaftlichen Herausforderung. Eine Medienrevolution wiederholt sich nun zu Beginn des 21. Jhdt. Die Digitalisierung nehmen viele Menschen als beängstigende Entwicklung wahr. Sie stellt die Gesellschaft auch in ihren religiösen Fundamenten vor einen richtungsweisenden Umschwung. Für Calles reagiert die Römische Kirche nur auf anstehende Themen, als vielmehr zu agieren. Er spricht von einer Mentalität der „Wagenburg“ und deutet an, dass man über die Herausforderungen das Gespräch suchen müsste. Jede Zeit hat ihre Art und Weise, die Hl. Schrift zu lesen.

Die Reformation war die Antwort auf den Reformenstau in der Katholischen Kirche. Nur als Basis könne man entscheidende Veränderungen bewirken. Die Kirche sollte uns die Mittel an die Hand geben, um den Glauben an Gott zu finden. Deshalb solle sie Glaubensexperimente zulassen und nicht das Glaubensleben zentralisieren. Wichtig sei auch, die Rolle der Frau in der Katholischen Kirche nun endlich zu definieren.

Luther hat 1521 die Bibel ins Deutsche übersetzt und damit die Deutsche Sprache begründet. Doch bei Weitem ist die ständig aktualisierte Einheitsübersetzung nicht mehr das alleinige Exemplar für die Exegese. Vielmehr führt die Lektüre von unterschiedlichen Fassungen zu einem besseren Verstehen der Hl. Schrift. Im kommenden Jahr blickt das Bibliothekarwesen an St. Nikolaus auf 200 Jahre und an St. Joseph auf 150 Jahre kirchliche Bücherarbeit zurück.

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