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"Wo sich Kunst trifft" - auf der art KARLSRUHE 2015

Verantwortlicher Autor: Kirsten Ernst Karlsruhe, 02.04.2015, 11:42 Uhr
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Kapuzinerkresse auf der art KARLSRUHE von Peter Lindenberg
Kapuzinerkresse auf der art KARLSRUHE von Peter Lindenberg  Bild: Kirsten Ernst

Karlsruhe [ENA] Mit der art KARLSRUHE ging am 8. März die größte Messe Süddeutschlands für Klassische Moderne und Gegenwartskunst zu Ende. Unter dem Motto „Wo sich Kunst trifft“ fanden sich ab dem 5. März zur 12. Ausgabe der hochkarätigen Messe knapp 50.000 Besucher ein.

Die art KARLSRUHE sieht sich als Ehrerbietung an den Kunstbetrieb und will eine Wertschätzung an all diejenigen sein, die den Kunstmarkt aufrechterhalten, ließ die Geschäftsführerin der Karlsruher Messe, Frau Britta Wirtz, gleich zum Auftakt das Publikum wissen. Und mit 210 Galerien aus 11 Ländern, 157 One-Artist-Shows und 19 Skulpturenplätzen bot die art KARLSRUHE wieder Hochkarätiges in diesem Jahr. 2015 wurde die Ausstellerzahl um 16 Galerien reduziert, was der Betrachtung der ausgestellten Werke eher gut tat. Die Räume waren etwas weiter und so fand der Besucher genügend Muse, um viel, qualitativ hochwertige, Kunst zu entdecken und sich überraschen zu lassen.

In diesem Jahr hatte die Messe 32 Neuzugänge zu bieten, davon kam allein die Hälfte aus dem Ausland. Vor allem viele Galerien aus Frankreich und Italien boten ein neues Programm. Auch wenn im Vorfeld der diesjährigen Ausgabe bereits geunkt wurde, die Messe befände sich im 12. Jahr am Scheideweg, ob es weiter aufwärts oder abwärts mit ihr ginge, so wurde jeder beim Rundgang eindeutig eines Besseren belehrt. Die Galerien, die nicht mehr teilnahmen, auffallend viele davon aus Stuttgart, können sich fragen, ob ihr Programm einfach nicht den Geschmack der Käufer getroffen hat. Denn bereits am Vortag der offiziellen Eröffnung waren viele rote Punkte an den Werken zu erkennen.

Eindeutig ein Zeichen dafür, daß die Werke Gefallen und einen Käufer gefunden hatten. Am 4. Tag der Messe hatten sich diese Verkaufspunkte weiter vermehrt. Dazu passen in der Mehrzahl die Stimmen der Galeristen, die überaus zufrieden mit Ihrem Auftritt waren und gute Verkäufe und Kontakte vermelden konnten. Denn eins kann uns sicher sein, solange der Initiator und Kurator der Messe Ewald Karl Schrade mit seinem Engagement und Herzblut die art KARLSRUHE vorantreibt, wird die Qualität und Vielfalt der Messe für das Publikum hoch bleiben und immer honorige Sammler und Kunstliebhaber anlocken.

Auch der diesjährige Podiumsgast Walter Smelring, Vorstandvorsitzender der Stiftung Kunst und Kultur und Direktor des MKM Museum Küppersmühle in Duisburg konnte in seinem Redebeitrag die Strahlkraft der art KARLSRUHE weit über ihre regionalen Grenzen hinaus unterstreichen. So zog die Messe wieder über Deutschland hinaus ein kundiges, kunstaffines Publikum nach Karlsruhe. Die vier Hallen waren thematisch gegliedert und boten ein Angebot über Malerei, Skulptur, Editionskunst und Fotografie. Schrade brachte den Begriff der Modernen Klassik auf, der Werke etablierter Künstler nach dem Krieg beschrieb, wie die Werke von Richter, Polke, Beuys, und Kollegen.

Zwischen den renommierten Künstlern eröffnete er den Dialog mit der jungen, nachwachsenden Kunst und mit jungen Galerien, die sich noch etablieren müssen. So hat die art KARLSRUHE bereits für viele, einst junge Galerien der 1. Stunde, ein Sprungbrett zum Erfolg geboten. Viele dieser Galerien finden wir heute unter den Etablierten wieder. Mit der Initiierung der Messe art KARLSRUHE wollte sich Schrade gezielt von den Megamessen, allen voran der Art Basel, absetzten und eine Messe in der mittelständischen Preispolitik mit hohem Qualitätsanspruch ins Leben rufen. Was ihm mehr als gelungen ist. Neue Sichtweisen werden geschaffen und das Publikumi kommt in den Genuß eines anspruchsvollen, abwechslungsreichen Programmes.

Er ersann eine Messe für all diejenigen, die "die Kunst lieben". Für Schrade muß die Kunst Botschaften überbringen oder gar Politisch sein und nicht nur chic daherkommen und Millionen im Preishype der Auktionen verdienen. Ihm sind Käufer lieber, die sich ein Kunstwerk kaufen, weil es ihnen gefällt. Hierzu fällt einem nur ein, wie gut es ist, daß es im Karlsruher Raum noch keine Zollfreihafenläger gibt! Und auf der Messe findet sich auch das Publikum, das ein Kunstwerk kauft, weil es einfach nur gefällt. In diese Richtung zielte auch die Eröffnungsrede der Ministerin für Kultur und Medien Prof. Monika Grütters, was sie mit ihren Worten unterstrich: „Der Preis ist nicht der Wert eines Kunstwerkes und ein Künstler ist kein Maler“.

Doch in Karlsruhe lassen sich auch hochpreisige Werke finden. Bei Henze&Ketterer reicht die preisliche Marke bis zu 2,8 Millionen für einen Ernst Ludwig Kirchner, Wichtrach, Bern. Auch ein verstörendes Nachkriegswerk von George Grosz „Peace“ von 1945, das die Schrecken und Leiden des Krieges verdeutlicht, war im Programm der Galerie. Achim Hagemeier von der gleichnamigen Galerie in Frankfurt am Main, deren Hauptprogramm auf den Malern des deutschen Expressionismus liegt, meinte anerkennend: „In Baden-Württemberg geben heute die Sammler ihr Geld aus wie die Rheinländer vor 20 Jahren.“

Das bemerkte auch die Galerie Schlichtenmaier (Grafenau und Stuttgart), zufrieden strahlende Gesichter am Messestand, deren Messeauftritt die 100.000 Umsatz-Marke übertraf. Allein ein wunderschöner Kopffüßler von Horst Antes „Figur und Schlange vor grünem Grund“ von 1975 wechselte für 60.000 EUR den Besitzer. Auch die Stuttgarter Kollegen von der Galerie Valentien waren überaus zufrieden. Zahlreiche und viel versprechende neue Kontakte und gute Verkäufe waren zu vermelden. Werke der klassischen Moderne von Otto Dix, Oskar Schlemmer, Peter Lenk und Horst Antes wurden verkauft, sowie Werke der zeitgenössischen Künstler Amely Spötzl, Anna Ingerfurth und Karl Manfred Rennertz.

Auch im Kunstkontor Möllers aus Münster waren Hochkaräter des Expressionismus oder Impressionismus wie Dix, Heckel, Schmidt-Rottluf oder Lovis Corinth und Liebermann zu bewundern. Die Galerie Geiger (Konstanz) freute sich über die große Resonanz ihrer im Programm vertretenen Zero Künstler. Auch der Galerist Heinz Holtmann aus Köln freute sich gleich zu Messeauftakt über den Verkauf eines Werkes des ZERO Künstlers Heinz Mack für 18.000 EUR. Überrascht vom Ansturm auf seine Bilder war der Galerist Hubertus Hoffschild aus Lübeck, der mit seiner One-Artist-Show des Künstlers Friedel Anderson fast komplett ausverkauft war.

Der diesjährige art KARLSRUHE Preis, der mit 15.000 EUR dotiert ist, ging an den 80-jährigen experimentierfreudigen Künstler Alfonso Hüppi, vertreten durch die Reutlinger Galerie Maas, der mit seinen Werken die Wirkung und Darstellung im Raum auslotet. Das SCHAUWERK Sindelfingen stellte dieses Jahr seine Sammlung zur Show. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn glänzend kam diese daher unter dem Titel: „Some like it cool“. In über 30 Jahren hat das Sammlerehepaar Christiane Schaufler-Münch und Peter Schaufler knapp 3.500 Werke, in der Hauptsache recht minimalistischer Art, zusammengetragen. Reduzierte Formen und Farben, viel Spiegelflächen, Chrom, Metall und Holz. Imi Knoebel, Sylvie Fleury oder Subodh Gupta sind vertreten.

Mitten im Ausstellungsraum stand ein silbern glänzender Eisberg, um den Titel zu unterstreichen. Im krassen Gegensatz hierzu präsentierte sich die Fotoausstellung der PHOTO ART BUDAPEST, die sich aus dem Ungarischen Nationalmuseum, des Robert Capa Center, sowie den ungarischen Galerien Várfok und INDA Gallery zusammensetzte, mit politischen Bildern von Robert Capa. Aufrüttelnde Bilder zeigte der Künstler, die in tiefsinnigen Bildausschnitten die ganze Tragweite der Bestie Mensch erahnen lassen. Anschließend ist man recht froh, wieder ins Messegefühl eintauchen zu können und sich erstmal mit gefälligerer Kost zu beschäftigen.

Nachdenklich in ganz anderem Sinne machten die Arbeiten des japanischen Künstlers Rikuo Ueda, dem diesjährigen Hans Platschek-Preisträger. Denn er fängt in seinen leichten, sehr filigranen Werken den Wind auf alle möglichen Arten ein. Wenn der Wind sich fangen läßt? Oder gehört die Phantasie mit dazu? Der Trend, chinesische Künstler und Kunst zu zeigen, wurde auch auf der art KARLSRUHE sichtbar. So hatten 12 Galerien chinesische Kunst im Gepäck. Das Foyer der Messe ließ dieses Jahr eine großartige Installation vermissen. Erst weiter draußen, im Hof, zwischen den Hallen, wurde einem die „Kapuzinerkresse“ des Wahlberliners Peter Lindenberg gewahr. Über 4 m hoch stand sie jedem Wetter trotzend, grün, aus Metall geformt, erhaben da.

Auffallend in diesem Jahr waren sowieso die vielen Baum- und Natur-Darstellungen, die junge Künstler vertraten. So hat Helge Hommes, gezeigt bei Raphael, aus Frankfurt a. M., über die letzten Jahre hinweg einen Werkzyklus konkretisiert, der anhand vieler Baumdarstellungen der zentralen Frage nachgeht, wie wir in der Zukunft leben möchten. Der Luxemburger Fernand Roda, im Programm der Galerie Bengelsträter, Düsseldorf, Meisterschüler von Beuys, widmet seine Kunst im weiteren Sinne der Natur und Landschaft und ordnet sie den „Prinzipien des Geistes“ unter. Beeindruckend auch die aus Holz heraus gehackten Motive des Österreichischen Künstlers Alfred Haberpointer bei Von & Von, Nürnberg.

Teilweise überzieht er seine geschichteten Köpfe vollständig mit Blei, um sich vermeintlich vom Naturstoff Holz zu lösen. Auf ganz andere Art nähert sich Jesùs Curiá seinen Werken. Die spanische Galerie Anquin`s aus Reus präsentierte seine Werke. Er kombiniert Holz, Stein oder Bronze und bringt diese in seiner reduzierten Form zur Vollendung. Die Formen und Gesten seiner Figuren lassen Tiefgründiges erahnen. Der Künstler entlehnt seine Darstellungen Figuren der afrikanischen und asiatischen Kunst. Eine ganz andere Symbiose geht der spanische Künstler Lluis Cera bei Bischoff, Zell a.H. ein, der ein Herz aus Marmor in ein Stahlkorsett preßt. Raymond E. Waydelich war wunderschön mit Druckgrafiken vertreten bei L`Estampe aus Strasbourg.

Ein Mythos rankt sich um ihn, als er anscheinend das Manuskript der Schneidergesellin Lydia Jacob, die 1876 geboren wurde, fand, wurde diese zeitlebens seine stille Muse und er widmet ihr viele seiner Werke. Schloß Seefeld (Seefeld) war wieder mit Armin-Mueller-Stahl vertreten und verkaufte sehr gut. Ganz anders regt Bruno Kurz, vertreten bei Wesner aus Konstanz, in seinen poetisch farbigen, zum Teil fast monochromen Bildlandschaften zum Träumen an. Die fließenden Farbverläufe und sanften Übergänge ziehen den Betrachter tief in die Werke hinein. Der Künstler Christophe zeigt bei Wasserwerk.Galerie Lange aus Siegburg wie sozialkritisch oder politisch Kunst sein kann.

Sein Werk „Burqua“ von 2015 zeigt ein rußgeschwärztes aufrechtes Holzstück mit Hasendrahtzaun im oberen Teil der Skulptur. Gedanken dazu bleiben frei dem Betrachter überlassen. Viele kinetische Plastiken, im Verbund aus Holz und Stahl zeigt der Künstler, der den Betrachter immer wieder neu in seinen Sehgewohnheiten fordert, die Phantasie beflügelt. Irmela Maier zeigt erst auf den zweiten Blick, daß ihre Affen nur aus Drahtgeflecht bestehen. Ansonsten hätten auch Menschen dort in der Koje sitzen können, spielen und sich zur Schau stellen, bei Knecht und Burster aus Karlsruhe. Beeindruckende, aus Stahl geschmiedete Figuren erschafft Dana Meyer bei Rothamel, Erfurt und Frankfurt am Main.

Paradoxe Situationen wie eine Fuchsjagd, bei der die Füchse und Hunde den Jäger jagen oder ein Reitersmann, der unter der Last seines Pferdes, das er trägt, alle Kraft zum Weitergehen aufbringen muß. Kinki Texas, vertreten bei Galleria Goethe aus Bozen, Italien, mit seinen wild bewegenden Bildern bekam Konkurrenz von Peter Kohl, gewagt vertreten durch die Galerie Hosp aus Nassereith in Österreich, da er doch der Männerwelt sehr viel abverlangte. Frauen konnten getrost über seine intimen, kindlich anmutenden Bilder schmunzeln. Ausdruckstark, pastos kamen auch die Bilder des Franzosen Thierry Loulé, vertreten bei Froessel, Strasbourg, daher. Er malt nicht was er sieht, sondern das Innere des Menschen, was er spürt.

Und viele Anregungen mehr, gab es wieder zu entdecken. Tiefsinnige, sehr nachdenklich stimmende oder auch einfach nur wunderschöne oder recht belustigende Werke, standen für den Betrachter bereit. Und so können wir uns schon jetzt auf die nächste Ausgabe freuen, die bereits vom 17. - 21. Februar 2016 stattfinden wird, zur Eröffnung des Messereigens im neuen Jahr, wenn, mit dem Anspruch Schrades zu sprechen, die Messe wieder „ein bisschen besser geworden ist“.

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