Sonntag, 19.08.2018 03:41 Uhr

Wien: Street-Art-Festival mit Klimt und Schiele.

Verantwortlicher Autor: Peter Markl Wien, 09.08.2018, 19:29 Uhr
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Calle Libre 2018: Schiele und Klimt vor Fertigstellung von Kobra (Brasilien) und Kruella D' Enfer (Portugal)
Calle Libre 2018: Schiele und Klimt vor Fertigstellung von Kobra (Brasilien) und Kruella D' Enfer (Portugal)  Bild: Peter Markl

Wien [ENA] Heuer findet zum fünften Mal von 4. August bis 11. August das Calle-Libre-Festival statt. Erfreulich: Die Akzeptanz für Street Art wird in Wien immer größer und die Straßenkunstwerke werden diesmal auf fünf Bezirke ausgeweitet, da heuer das Motto „Cinco“ lautet. So will man auch „Nichtorte“ beleben.

In fünf Bezirken sollen nicht nur die fünf Elemente, sondern auch die fünf Sinne dargestellt werden. Die Kunstwerke entstehen in Mariahilf, in der Leopoldstadt, auf der Wieden, in Neubau und in Rudolfsheim-Fünfhaus. Ein Portrait von Egon Schiele wird am 6. August auf der Wiedner Hauptstraße 78 von Kobra aus Brasilien gestaltet. Man kann es als Live-Painting-Session bezeichnen, bei denen Interessierte den Künstlern über die Schulter schauen und Fragen stellen können. In der Gumpendorferstraße 54 findet man Street Art von Medianeras Murales aus Argentinien. In der Westbahnstraße 40 im Hof von Westlicht entstand ein Werk von Saddo aus Rumänien.

Außerdem gibt es eine Fülle von Veranstaltungen und es wird auch eine Konferenz zum Thema Street Art abgehalten. Da das Jubiläumsjahr mit dem 100. Todesjahr der Maler Gustav Klimt, Egon Schiele, Otto Wagner und Koloman Moser zusammenfällt, wurden die Werke der Wiener Künstler thematisiert. Der brasilianische Künstler Kobra interpretiert etwa gemeinsam mit der portugiesischen Kruella D’Enfer Gustav Klimt als collagenhafte Musterdarstellung. Calle-Libre-Gründer Jakob Kattner, Multitalent, Linzer Filmemacher und Dissertant meint: „Es gibt eine klare Trennlinie zwischen klassischem Graffiti und dem, was wir machen“. Im Gegensatz zu den meist Buchstaben-lastigen Graffitis ist die Straßenkunst des Calle Libre vollständig genehmigt und legal.

Seit mittlerweile fünf Jahren verwandelt das Festival Wiens Straßen in eine Bildergalerie. Die Künstler, vorrangig aus Lateinamerika, dürfen dabei Häuserwände mit ihren Arbeiten gestalten. Auch der Wiener Künstler Moiz präsentiert seine Kunst beim Calle Libre. Seine Street Art verbindet geometrische und abstrakte Formen mit Graffiti und Kalligraphie. Im Rahmen der ersten Urban Art Konferenz möchte Kattner das Thema Street Art auch in einen theoretischen Zusammenhang bringen. „Wir wollen hier mit Leuten aus der Stadtverwaltung und der Kunstszene diskutieren, welche Auswirkungen urbane Kunst haben kann und welche Folgen Förderungen haben können.“

Er bedauert fünf Jahre nach Beginn des Projektes - das eigentlich Teil von Kattners Doktorarbeit war - dass die Straßenkunst bisher keinen Einzug in Lehrpläne gefunden hat. Künftig möchte er diesen akademischen Ansatz deshalb auch fördern. „Wir versuchen so eine Brücke zu schlagen zwischen Subkultur und legitimer, arrivierter Kunst“, sagt Kattner. Die Akzeptanz für diese Subkultur werde immer größer. Das könne man auch an den Kooperationen mit der Albertina und dem Museumsquartier erkennen. Bei den Anrainern steige das Interesse ebenfalls, hin und wieder stoße man aber auch heute noch auf Unverständnis.

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