Donnerstag, 26.11.2020 10:55 Uhr

Gedanken zu Geoffrey Chaucer

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 26.10.2020, 11:45 Uhr
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Wien [ENA] Geoffrey Chaucers Zeitalter war das 14. Jahrhundert und damit auch die Zeit der großen Versdichtungen und Balladen, die sich in der europäischen, besonders in der französischen und italienischen Literatur großer Beliebtheit erfreuten und ganz dem höfischen, ritterlichen und religiös-innigen Lebensgefühl entsprachen. Chaucers großer Verdienst war es sicherlich diese Dichtkunst für die englische Sprache zu adaptieren

Immerhin lebte und schrieb er zu einer Zeit als die Sprache in England neben unzähligen anglo-sächsischen Dialekten noch vorwiegend auf Latein, Französisch oder Anglomannisch beruhte. Trotzdem sind die Canterbury-Erzählungen nicht unbedingt der Versuch das damalige mittelalterliche Leben zu einer romantischen Idylle schwärmerisch zu stilisieren. Ganz im Gegenteil, die Personen, die in den Geschichten zu Wort kommen, könnten volkstümlicher nicht sein. Sie haben Ecken und Kanten, sind frech und frei, listig und verwegen und trotz ihrer gesellschaftlichen Stellung durchaus frivol und korrupt. Die bunte Gesellschaft von 29 Personen trifft zufällig bei einer Pilgerfahrt zum Grab des Heiligen Thomas Becket in einem Gasthaus zusammen.

Darunter Mönche, Nonnen, Ritter, Handwerker, ein Ablasshändler, ein Gutsbesitzer oder ein Arzt. Um sie fröhlich und trinkfreudig zu stimmen, schlägt der Wirt vor, sie sollten alle eine Geschichte erzählen, ein Vorschlag, der begeistert aufgenommen wurde. Jeder erzählte nach seiner Manier, entweder ritterliche Heldengeschichten, deftige amouröse Schwenke, sagenumwobene antike Märchen oder fromme Heiligenlegenden. Neben seiner Dichtkunst war Chaucer sicherlich auch ein großartiger Linguist, der durchaus die Bedeutung der Sprache für die Entwicklung einer Nation erkannte und in einer fulminanten Synthese alle vorherrschenden sprachlichen Besonderheiten vereinte. Nicht zu Unrecht gilt er damit als Begründer der modernen englischen Literatur.

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