Dienstag, 12.12.2017 22:44 Uhr

Ein Leseabend mit Katharina Finke

Verantwortlicher Autor: Dieter Scheppeit Hamburg, 01.05.2017, 09:29 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 3730x gelesen
Der Filmraum - ein kultureller Treff mit hochinteressanten Menschen
Der Filmraum - ein kultureller Treff mit hochinteressanten Menschen  Bild: Dieter Scheppeit

Hamburg [ENA] Literaturveranstaltungen und spannende Bücherlesungen für alle Interessensgebiete gehören vielerorts in Deutschland zum kulturellen Alltag. Sie sind eine echte und sinnvolle Alternative zum tristen „Abendprogramm der deutschen Fernsehanstalten für Nichtdenkende“.

Ich mag sie nicht nicht mehr sehen, die ständigen Wiederholungen in mehr als 400 Fernsehsendern allein in Deutschland. Die Krimiserien, Kochabende, die verlogenen Krankenhaus- und Emergency-Stories oder dieses angebliche Reality-TV (Realitätsfernsehen) wo jeder Akteur schon vor Beginn einer Aufzeichnung vorgegeben bekommt, wie seine Realität auszusehen hat und diese meist fernab der tatsächlichen Realität ist. So bekommt selbst das Wort „Realität“ eine völlig neue Bedeutung. TV-Sender erfinden im Rahmen der Volksverdummung neue Definitionen. Realität (lateinisch realitas) bedeutet „Wirklichkeit“. Natürlich nicht für die Fernsehanstalten, denn für diese haben Einschaltquoten eine höhere Priorität als die Wirklichkeit.

Hinzu kommt die Tatsache, dass ich auf meinem bequemen TV-Sessel keine neuen Menschen kennen lerne. Und die Ausrede: „Aber ich weiß doch nicht, was heute in meiner Stadt los ist!“ hat im heutigen Internetzeitalter, der dauerhaften Vernetzung, den Smartphones und vielen tollen Apps schon lange ihre Gültigkeit verloren. So fragte ich meine ständige Begleiterin: „Hey Siri, was ist heute in Hamburg los?“ und binnen 2 Sekunden antwortete sie mir: „Ich habe folgendes im Netz gefunden, guck mal!“ An erster Stelle steht „HEUTE IN HAMBURG“ und schon stoße ich auf „Katharina Finke liest aus ihrem Roman: Loslassen, wie ich die Welt entdeckte und verzichten lernte!“

Kurz Google dazu befragt, bekam ich folgende Antwort zu diesem Buchtitel: "Katharina Finke erzählt von ihrem minimalistischen Lebensstil und ihren Reisen rund um den Globus. Sie erlebt, wie radikale Freiheit überglücklich und zutiefst einsam macht. Dies ist ein Buch darüber, was es heißt loszulassen. Und woran es sich lohnt festzuhalten." Zitat Ende. Meine spontanen Gedanken dazu: Das Thema Minimalismus passt zu unserer übersatten Zeit. Also, Minimalismus vorleben: Runter vom Sofa und rauf aufs Fahrrad! Ab in den FILMRAUM, denn dort fand die Vorlesung statt. Klar – auch bei dem Wort Minimalismus muss vorher die Paraphrase angestellt werden, was es denn überhaupt bedeutet. Auf die Sichtweise kommt es an.

Wenn Bill Gates zum Weltwirtschaftsforum Davos anstatt mit einem Privatjet mit dem Linienflug der Swissair in der Businessclass anreist, dann kann er durchaus schon von Minimalismus sprechen. So war ich also auf die Minimalismus-Vorstellungen der Autorin Katharina Finke gespannt. Noch ein wichtiger Hinweis: Da mein Bericht keine ausschließliche Buchkritik, sondern auch eine Hommage für „mehr Kultur und Literatur und weniger verblödendes Fernsehen“ darstellt, berichte ich auch über meine Eindrücke zur Veranstaltung generell. Naja, und dass das Denken die Fernsehabende völlig verdirbt, ist ganz sicher jeder Leserin und jedem Leser dieses Artikels bewusst.

Ich war hocherfreut und sehr überrascht, dass ich bei dieser Vorlesung auf so viele junge, offene, fröhliche und gesprächsbereite Menschen gestoßen bin. Menschen mit einer lockeren, total offenen Kommunikationsbereitschaft, wie sie in gastronomischen Orten kaum vorzufinden sind. Macht ja auch Sinn, denn nicht wenige Kneipenbesucher sind frustriert, wissen nichts mit ihrer wertvollen Lebenszeit anzufangen und unterwerfen sich somit der selbst verschriebenen "Holsten-Therapie". Anders bei solchen Veranstaltungen. Sofort kam ich mit einigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Leseabends ins Gespräch und konnte sofort feststellen, dass das Thema „Minimalisierung und Entlastung im Leben“ auf großes Interesse stößt.

Schon bei der Begrüßung der Autorin konnte jeder Teilnehmer feststellen, dass Katharina Finke weder im Bereich persönlicher Präsenz, Selbstvertrauen, Ausstrahlung und Bildung eine Minimalistin ist. Gut sortiert, in einer souveränen Lockerheit und mit sehr angenehmer Stimme begann die Autorin, aus ihrem Roman zu lesen. Gekonnt sprang sie von Seite 50 zur Seite 7 und dann zur Seite 85. Aber es passte, es war gut vorbereitet und insgesamt ist es eine lesenswerte Story. Sie erzählte von ihrem Stipendium an der Robert-Bosch-Stiftung in China, von ihren Trips nach Lissabon, Buenos Aires, ihrem Job in New York, von Reisen nach Australien und dem spontanen Besuch von Freunden in Berlin. Zusammengefasst: Minimalismus auf einem extrem hohen Niveau.

Katharina Finke liest aus ihrem Buch

Wer als Käufer dieses Buches echte Tipps und eine wirkliche Lebenshilfe für die Minimalisierung seines eigenen Lebensstils erhofft, wird diese Tipps in diesem Buch wohl kaum vorfinden. Sehr schnell erkennt der Leser, dass diese, von Katharina real vorgelebte Form der Minimalisierung sehr wohl etwas mit Mut, mit Wissen und Bildung, sowie mit internationalen Vernetzungen und Beziehungen zu tun hat. Und wenn ein Mensch seine Lebensprioritäten von weniger Besitztum zu mehr Freiheit und Mobilität verändert, dann sehe ich hier mehr Maximalisierung als Minimalisierung. Und das ist ja auch gut so. Wir alle wissen: Materielles Besitztum schränkt ein, kostet nicht nur Geld, sondern auch Mobilität und Freiheit.

Wer als Käufer jedoch einen Roman, eine gut geschilderte Lebensabschnittsstory einer mutigen, weltoffenen und reiselustigen jungen Frau lesen und sich dabei ausgezeichnet unterhalten möchte, der wird den Kauf dieses Buches nicht bereuen. Noch einen Tipp für alle mobilitätswilligen Minimalisten und Maximalisten: Kaufen Sie sich die elektronische KINDLE Version. Minimalistisch, weil der KINDLE Whitepaper ist mit 334 Gramm und auch von den Abmessungen her leichter und kleiner, als die Buchfassung. Maximalistisch weil, selbst wenn Sie 500 Bücher auf dem Gerät haben, wiegt es noch immer nur 334 Gramm und ganz gleich, wo Sie Ihre Sehnsucht und Reiselust hinführt. Die heimische Büchersammlung ist immer im Handgepäck dabei!

Meine Empfehlung an alle Leser meines Berichtes: Lassen Sie doch einfach 1 oder 2 Tage pro Woche Ihren Fernseher ausgeschaltet. Verzichten Sie doch mal auf Krimi oder Reality TV. Verzichten Sie auf die vielen Werbeminuten, die Sie dazu verführen sollen, noch immobiler zu werden. Fragen Sie Iris, Alexa oder Google nach dem Kulturprogramm in Ihrer Stadt. Gehen Sie dorthin, lernen Sie fröhliche, offene Menschen kennen, denen Sie auf Ihrem Sofa nie begegnen werden. Öffnen Sie Ihre Lebenstür für neue Erfahrungen und Sie werden feststellen, dass Minimalisierung im Ergebnis zur einer Maximalisierung führt – und so soll es sein! Ich danke Katharina sehr für die Inspiration, die sie mir für diesen Artikel gegeben hat. Bon voyage!

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