Freitag, 18.05.2012 13:04 Uhr

Climelight – Laser macht Musik

Verfasser: Joachim Sobek, www.openlens.de Friedrichshafen/Berlin, 30.05.2011, 09:39 Uhr
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Climelight auf der Musikmesse 2011, Frankfurt
Climelight auf der Musikmesse 2011, Frankfurt  Bild: Saskia Jil Sobek

Friedrichshafen/Berlin [ENA] Vor gut 4.000 Zuhörern auf der After-Show-Party der TuningWorld 2011 zieht die junge Berliner Formation „Climelight“ ihre komplexe und in der Form weltweit einzigartige Laser-Musik-Show mit großem Erfolg ab. Das 10- minütige Licht- und Soundfeuerwerk begeistert die Partygäste.

„Zeig uns mal ob das Ding wirklich funktioniert“ sagt der Moderator und Ralf gleitet aufforderungsgemäß mit seinen in weiße Handschuhe gehüllten Händen durch die vor ihm glitzernden Laserstrahlen. Acht Stück an der Zahl, die sich vom Boden aus wie ein Fächer an die Decke des Konzertsaals strecken. Wie ein Wunder ertönen beim Durchtrennen der Laserstrahlen spacige, abgefahrene Sounds. Vor den gut 4.000 gespannt wartenden Partygästen ist der Beweis erbracht, sie funktioniert, die Laser-Harfe, und zwar manuell. Nichts ist „gefaked“, alles echt und live gespielt. Im Publikum gehen hunderte Handycams in die Luft um das Konzert mitzuschneiden. "Gleich kommt die wohl größte Lasermusikshow Europas", so der Moderator.

Synchron, ohne Vorankündigung und mit musikalischer Gewalt dreschen die drei Climelight-Musiker auf die vor ihnen stehenden Drumpads ein. Ihre Drumsticks flackern im Einklang mit den Beats hellblau auf. Alles geht blitzschnell, das Auge kann kaum noch folgen. Die Showlaser, füllen den Konzertraum mit bunt gleißenden Strahlen und verhelfen dem Trommelfeuer, das gewissermaßen das Hors-d'oeuvre der Performance ist, zu noch mehr Kraft. Diagonal durchschneiden die Laser den mit Rauch geschwängerten Raum, so wie Mikadostäbchen kurz vor dem Fallen.

Und dann ist es soweit. Der weiße Handschuh haut präzise in einen Strahl der Laserharfe, der melodische Teil beginnt, Ralf spielt sein Solo. Hochkonzentriert, den Blick wie ein Adler auf das Instrument gerichtet, erstrahlen die vorher weißen Handschuhe in hellstem grün. Ähnlich wie ein Geigenspieler oder beim Fretless-Bass muss er zielsicher die Höhenlage treffen. Es gibt keine Bunde, alles ist Gefühl und lange Erfahrung. Dass die Töne über einen nachgeschalteten Midi-Controller erzeugt werden ist Fachleuten klar. Wie die individuell entwickelte Harfe en detail funktioniert und was sie einzigartig macht soll Betriebsgeheimnis bleiben – und das ist gut so.

Climelight, das sind die drei Wahlberliner Musiker Wolfgang Fischer (39), Ralf Schink (45) und Andy Rau (44). Ursprünglich kommen Sie aus dem Ländle, ein Schwabe und zwei Badener, aber sie vertragen sich sehr gut, sagen sie ohne jeden Zweifel und im Gleichklang. Allesamt haben neben ihrem Climelight-Projekt hochkarätige Engagements. Gut 20 Jahre sind die Profimusiker in andern musikalischen Gebieten unterwegs.

Wolfgang Fischer
Ralf Schink
Andy Rau

Der eine komponiert Filmmusik, berät als Musical Consultant den Keyboardhersteller Roland, ist Keyboarder und Pianist, der andere spielt u.a. in einem Theater für Stage Entertainment, hat eine klassische Ausbildung auf Holzblasinstrumenten. Der Dritte im Bunde ist in der Profi DJ-Szene unterwegs, „komponiert“, wie er selbst sagt, „seit Jahren allerlei elektronisches Zeug und spielt schon seit seiner Kindheit mit allem was, als autodidaktischer Drummer, rhythmische Geräusche erzeugen lässt ".

„Das ist es auch was uns auszeichnet, die Vielfältigkeit, unsere Bandbreite“, sagt Wolfgang. Er, der während eines Konzerts schonmal zwischen 11 Holzblasinstrumenten hin und her wechselt, was allein bemerkenswert ist, legt das akustische Fundament. Er „erdet“ sozusagen mit seinen Akustikinstrumenten das Climelight-Projekt. Von Sopran- bis Baritonsaxophon über Klarinette und die selbstentwickelte E-Klarinette setzt er verschiedene Flöten ein, sogar eine indische Bansuriflöte.

Ralf, der ohne es zu wollen durch sein sehr spezielles Instrument eine besondere Stellung einnimmt, spielt während der Konzerte neben den Elektrodrums und der Laserharfe auch noch ein sog. Umhängekeyboard, die Keytar. Damit deckt er den elektronischen Teil ab. Schließlich kümmert sich Andy als Drummer um die rhythmischen Elemente und scratcht dazu in virtuoser DJ-Manier. Ein solches Ensemble in Verbindung mit den optischen Elementen der ausgeklügelten Laser-Show dürfte sogar weltweit einzigartig sein.

Wenn nach den ersten paar Minuten der Show, der rhythmische Teil, der die Fans in Bewegung versetzt hat, in eine leise, ruhige, fast chillige Passage übergeht, haben die Drei die Chance auf Feedback aus dem Publikum. Sie spüren dann die Reaktion. Immer noch sind die Handys zum Filmen in die Höhe gestreckt, die Menge schwappt noch dem ausklingenden Rhythmus hinterher. Das Getöse aus dem Saal kommt jetzt, wo sie leiser spielen bei Ihnen an.

Bevor die Zuhörer sich beruhigen können kommt auch schon wieder die nächste Sound- und Lichtattacke. Ralf schnallt sich sein Keyboard über die Schulter und krabbelt eilig vor den Laservorhang seiner Harfe. Mit brachialen Sounds stachelt er das musikalische Gewitter mit seinem Solo wieder an. Die Laser müssen jetzt noch härter ran als zuvor. Das Publikum reagiert, legt noch einen Gang zu. Zehn Minuten dauert das Spektakel, die Menge brodelt. Schließlich rasen die Climelighter auf das Finale zu! Nochmal 'ne Schippe draufgelegt, bis die Musiker und die Laser ihre Arbeit einstellen, die Show zu Ende kommt und nur noch der kreischende Applaus aus dem Publikum wahrzunehmen ist.

Eine Gruppe Jugendlicher schaut sich unmittelbar die Filmergebnisse auf dem iPhone eines Kumpels an. Anja sagt: „das war Hammer“, Ihr Freund ergänzt, „ja, aber viel zu kurz“. Und Harald, der mit dem iPhone, schreit: „Das war aber geil, so was hab' ich noch nie gesehen, das stelle ich jetzt in Youtube rein“. So ähnlich geht es wohl den Meisten. Auch wenn es eine kurze Show war, sind sie beeindruckt, haben es genossen und würden gerne mehr hören - und sehen.

Es war in 2009, da gab es Cliemlight noch gar nicht, als Ralf und Wolfgang die Vision für eine Show hatten, in der Licht und Musik zusammen geführt werden und zwar als Live-Act. Durch Zufall hat Ralf dann die Laser-Harfe entdeckt. Ein Musikinstrument, dass es nicht von der Stange gibt, das man entwickeln muss. Und so machte er sich auf die Suche nach seiner eigenen Harfe.

Die Firma Lasa, Berlin entwickelte auch mit seinem Input dieses Instrument. Dabei kam ihm seine Erfahrung als Sounddesigner und seine Programmierkenntnisse zu Gute. Das Sounddesign, das die Laserkonstruktion erst zum Instrument werden lässt, erledigte Ralf selbst. So war der Nukleus für Climelight geboren. Als der dann seine langjährigen Freunde Wolfgang und Andy fragte, waren sie sofort Feuer und Flamme bei diesem nicht alltäglichen Projekt mitzumachen. Climelight wurde gegründet, das war im Herbst 2010.

Wenn man sie fragt, welche Musikrichtung sie spielen, wo sie sich selbst einordnen wollen, kommt eher etwas Verwirrung auf, sie wollen gar nicht in eine Schublade gesteckt werden. Es ist eher so, dass sie ihre musikalische Bandbreite als Stilrichtung sehen. Aber wenn es unbedingt sein muss, beschreiben die Drei ihre Musik als eine Fusion aus Elektro- und Filmmusik. Ob der Laie sich darunter etwas vorstellen kann, ist nicht sicher - man muss es eben gehört haben.

Climelight hat auch noch ein zweites, weiniger bekanntes Gesicht. Das eine mit der bombastischen Sound- und Lichtshow und das andere, das Sie bei kleineren Veranstaltungen aufsetzten. Hier kommen Sie mit weniger Lasern aus, spielen chilligere Töne, improvisieren wenn es sein muss stundenlang - bleiben eher im Hintergrund und geben so jeder Veranstaltung ein musikalisches Fundament – „ambient Music“ könnte man es nennen.

Bekannt gemacht hat sie aber ihre „große“ Show. Die Kombination aus live gespielter Musik mit selbst entwickelten Sounds und der abgefahrenen Lasershow ist ein Hingucker, der seines gleichen sucht. Damit das im „Live-Sequencing“ gespielte Sound und Laser-Werk immer zeitgenau performed werden kann, braucht es noch ein weiteres Team. Die Showlaserspezialisten von LPS-Lasersysteme steuern mit Ihrer hauseigenen Software die Lasersequenzen. Die Signale zur Synchronisation kommen von den Musikern. Damit die Lasersysteme ihre Arbeit nach Plan und im Rhythmus der Live-Musik verrichten können, hat sich ein LPS-Techniker neben der Bühne in Stellung gebracht. Er ist Herr über die Showlaseranlage.

Eine Sprinterladung voll Lasertechnik wird bei so einer Show schon mal angekarrt. Zwei bis drei Mann benötigen sie für den Aufbau der 7 Projektoren, in denen sich 17 Lasermodule mit wiederum 67 Laserdioden befinden. „Damit könnte man theoretisch 16,7 Millionen Farben erzeugen, aber wir beschränken uns auf 65 Farben, weil das Auge ohnehin zu einer feineren Farbdifferenzierung kaum im Stande ist“, berichtet der Techniker. Licht, auch das des Lasers, ist unsichtbar, erst wenn es auf Partikel in der Luft prasselt, kann das Auge überhaupt die Laserstrahlen wahrnehmen. Und so gilt es für die Jungs von LPS auch zuverlässig den nötigen Nebel für die Show in die große Halle zu pusten – mit Nebelmaschinen natürlich.

Eine der bekannteren Grundfarben von Laserdioden ist ein strahlendes Grün, es könnte an das Grün von Limetten erinnern. Auch deshalb, so Ralf, „haben wir die Gruppe Climelight getauft“. Darin steckt „lime“, das englische Wort für Limette. Limelight im Englischen bedeutet Rampenlicht und in dem stehen sie im wörtlichen Sinne, wenn sie bei ihrer Performance fast völlig in die Laserschwaden eintauchen. Schließlich bedeutet das englische „clime“ so etwas wie Atmosphäre oder Himmelsstrich – und auch das passt zur Performance. Damit war das Kunstwort „Climelight“ als Gruppenname geboren.

Ständig entwickelt die noch junge Gruppe ihr Show-Programm weiter. Sie experimentieren mit neuen Sounds und komponieren neue Sequenzen. „Eine eigenständige Show in Konzertlänge“ soll es mal werden, sagt Ralf. Das ist die Vision von Climelight. Wenn alles gut läuft, und so sieht es bei den vielen Anfragen im Moment aus, wollen Sie ihr eigenes abendfüllendes Programm auf die Beine stellen, auf den großen Festivals - auch international - spielen und schlussendlich damit auf Tour gehen.

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