Mittwoch, 17.08.2022 07:17 Uhr

Burdas künstlerisches Schaffen auf Leinwand

Verantwortlicher Autor: Brando Martino Münster, 14.07.2022, 16:19 Uhr
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Der lachende Robert - 19.5.1989
Der lachende Robert - 19.5.1989  Bild: Brando Martino

Münster [ENA] Münster, 6.7. 22 - Gemälde von psychisch Kranken können einen tiefen Einblick in ihr Seelenleben gewähren. Robert Burda, 80, der seit 1968 in Wohnbereich der Alexianer in Münster lebt, schuf wahre Kunstwerke, die im Kunsthaus Kannen im Rahmen einer Ausstellung, die bis zum 16.10. noch zu sehen ist.

Können Strichführung, Farbwahl und das Bild als Ganzes für eine bestimmte psychische Beeinträchtigung sprechen? Um 1900 suchten Ärzte in Zeichnungen und Malereien ihrer Patienten nach Anzeichen für eine Diagnose. Erfolgreich war der Ansatz nicht. Als Therapiemethode ist das Malen indes noch heute wichtiger Bestandteil psychiatrischer Behandlungen. Denn Patienten verarbeiteten in ihren Werken traumatische Ereignisse, Ängste oder Erfahrungen mit ihrer Erkrankung. Sie begannen, ihre Gefühle auszudrücken, ihre Gedanken und Wahrnehmungen in Bildern, Skulpturen und abstrakten Objekten festzuhalten.

Ausstellungsbesucher
Robert Burda
Kunsthaus Haus Kannen

"Meine alte Zeit"

Mit akribischer Faszination für Details zeichnet Robert Burda seine Lebensgeschichte auf. 1942 geboren, verbrachte er seine Kindheit und Jugend in Bremen-Blumenthal, wo ihn die Straßenbahn, Busse und Schiffe besonders interessierten. Seine Motive zeichnet Robert Burda mit technischer Genauigkeit und versehen mit Beschreibungen, die einen Einblick in seine Innenwelt erlauben. Schon in jungen Jahren hatte er immer wieder Aufenthalte in psychiatrischen Einrichtungen, in denen er seine Umgebung und seine Arbeit zeichnerisch dokumentierte. Er zeichnet die Schlaf- und Essenssäle aus der Vogelperspektive, um nicht nur sich, sondern auch andere im Raum zu verorten.

Selbstbildnis
Robert Burda

Seit 1968 lebt Robert Burda im Wohnbereich der Alexianer in Münster und hat auch hier seine Welt auf Papier gebannt. Betrachtet man seine Bilder aus historischer Perspektive erkennt man in ihnen dokumentiert die allmähliche Reform der Psychiatrie. Die menschenunwürdigen Umstände in Psychiatrien nach Ende des Krieges und die langsam anlaufenden Verbesserungen, werden oft aus der Perspektive der Reformer erzählt.

In den Bildern, in denen Robert Burda von seinem Leben erzählt, lässt sich eine Antwort auf diese Frage entdecken. Seine Bilder erzählen von großen Bettensälen während der Nachkriegszeit, die er noch selbst erlebt hat und von der liebevollen Beziehung zu seiner Mutter, die trotz des Stigmas, mit dem geistige Behinderungen belegt waren, zu ihm gehalten hat. Man erkennt in den Bildern aber auch erste Verbesserungen der Lebensverhältnisse und die allmähliche gesellschaftliche Anerkennung psychisch kranker und geistig behinderter Menschen. Indem Robert Burda uns einen Einblick in sein Leben gewährt, nimmt er uns mit in die Geschichte einer gesellschaftlichen Reform.

Kunsthaus Kannen

Das Kunsthaus Kannen ist in den Klinikkomplex des Alexianer Krankenhauses, einer Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, eingegliedert. Seine Entstehung geht auf die Förderung künstlerisch besonders begabter Langzeitpatienten zurück, deren kreative Arbeit und Entwicklung seit den frühen 80er Jahren kontinuierlich unterstützt wurde. Seit Oktober 2000 ist das Kunsthaus als „Modellprojekt Gemeinschaft behinderter Künstler“ anerkannt und wird von der Alexianer Bruderschaft und der Stiftung Wohlfahrtspflege des Landes NRW gefördert, bislang einzigartig in Deutschland. Der Name des Kunsthauses „Kannen“ lässt sich bis ins 12. Jahrhundert zurückleiten, denn in einer Bischofsurkunde wurde um 1200 erstmals das Gut „Cane“ erwähnt.

Integrative Begegnungsstätte

Als integrative Begegnungsstätte sowohl für behinderte und nicht behinderte Künstler steht das Kunsthaus mit seinem Atelier- und Ausstellungsbetrieb, einer kleinen Fachbibliothek und einem Art-Shop mit Bilder-, Postkarten jedem Interessierten offen. Nach üblichen Marktkriterien hat diese Kunst keinen «Wert», sehr wohl aber im ideellen Sinne. Und es ist ein verdienstvoller Ansatz der Psychiatrischen Klinik Alexianer Münster, die sorgfältig kuratierte Ausstellung nicht mit der üblichen Verwaltungschronik zu überfrachten. Weitere Bilder unter Fotogalerie. Öffnungszeiten Di. - So. + an Feiertagen von 13:00 bis 17:00 Uhr
Führungen n. V. Montag - Freitag 9:00 - 17:00 Uhr Eintritt frei. Telefon: 0 25 01-966 20 560


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