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Sir Stirling Moss (17. September 1929 – 12.April 2020)

Verantwortlicher Autor: Erich Hein England, 11.05.2020, 19:29 Uhr
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Weltmeister der Herzen
Weltmeister der Herzen  Bild: Erich Hein

England [ENA] 12. April 2020 - eine der letzten Ikonen des Motorsports ist für immer von uns gegangen: „Sir Stirling Moss“. Es ist ein Tag der Trauer, aber auch ein Tag um Danke zu sagen. Danke, an die lebendige Erinnerung an die grandiosen Zeiten des Motorsports.

Danke, „Sir Stirling Moss“ für spannende Rennen verbunden mit interessanten Reportagen, für Ihre Präsens auf weltweiten Formel 1- und Oldtimer- Events mit den dazugehörigen Benzingesprächen, Ihre Freundlichkeit verbunden mit Ihrem unverkennbarem verschmitzten Lächeln. Danke für eine wunderschöne Zeit mit Ihnen. Rennfahrer wollte er werden, kein Zahnarzt wie sein Vater, oder Hotelier wie seine Familie alternativ vorschlug. Nein, seine Bestimmung war der Motorsport.

Rennfahrer wollte er werden, kein Zahnarzt wie sein Vater, oder Hotelier wie seine Familie alternativ vorschlug. Nein, seine Bestimmung war der Motorsport. Beste Voraussetzungen, den Vater Alfred ein begeisterter Motorsportfahrer, fuhr vor dem zweiten Weltkrieg Rennen in Brooklands und sogar in Indianapolis und Mutter Aileen startete in den 30igern bei Trialrennen. Im zarten Alter von neun Jahren bekam er von seinem Vater einen Austin Seven beschenkt. Ohne dessen Karosserie drehte Stirling auf dem elterlichen Anwesen seine ersten Runden.

Mit 16. Jahren kaufte er sich einen Morgen Threewheeler, kurz danach einen MG. Bei der Bestellung eines Rennwagens mit Aspen-Motor flippte sein Vater jedoch aus, annullierte die Bestellung, stellte ihm jedoch in weiser Voraussicht seinen BMW 328 für lokale Speed Trials zur Verfügung. Stirlings Entscheidung Rennfahrer zu werden stand somit nichts mehr im Wege. Mit 17 Jahren startete Stirling bei den damaligen Sprints und Bergrennen. Durch seine Konkurrenten auf den Formel 3-Cooper Mk II aufmerksam geworden und mit seinem festen Willen und dem Einverständnis seines Vaters, mit der Prämisse alle Kosten selbst zu stemmen, verkaufte Stirling sein ganzes Hab und Gut, den Rest vom 600 Pfund gab es von den Eltern zum Geburtstag.

Von da an peste er auf etlichen Cooper- Modellen am Berg und auf den Rund- Strecken, heimste 1948 in Großbritannien zahlreiche Siege ein. 1049 sogar in Zandvoort und am Gardasee. Damals schon war der Rennsport ein Geschäftsmodell zwar in anderen Dimensionen, aber immerhin der Anfang eines Milliarden-Geschäft. Zuerst verlangte Stirling 1000 Pfund pro Rennen, später stockte er auf 1200 Pfund auf. Seine ersten Erfolge bescherten ihm mit 21 Jahren einen Werksvertrag bei Jaguar, wo er 1950 mit einem XK 120 die RAC Tourist Trophy in Dundrod. 1951 nochmals auf einem C-Typ. Mit einem Jaguar C-Typ mit Scheibenbremsen brachte ihm den Sieg beim Grand-Prix von Reims 1952, 1953 Sieg des 12 Stunden-Rennens auf einem Jaguar C-Typ.

Parallel dazu stieg Stirling auch auf andere Formeln ein, wurde Zweiter auf einem HWM- Alta- Grand-Prix-Wagen beim “Circuit du Lac” 1951 sowie Dritter bei den Grand- Prix- Rennen in Marseille und Monza. Mercedes- Benz wollte 1954 Moss in seinen Kader der Formel 1 und für Sportwagenrennen verpflichten und unterbreitete Ihm ein grandioses Angebot, dass er nicht ablehnen konnte und wollte. Einziger Bedingung, die Nummer Zwei hinter dem amtierenden Weltmeister Fangio. Seine, recht ungewöhnliche Entscheidung, begründete Moss damals mit diesem Satz: „Das beste Klassenzimmer war, im Rennen zwei Fahrzeuglängen hinter Fangio zu liegen“.

Die positive Einstellung gab ihm Recht. Dominierten er und Fangio 1955 die Fahrerweltmeisterschaft mit dem W 196. Fangio Weltmeister, Moss Vize, Klassse!!! 1955, bei gleich drei schweren Straßen-Rennen, der Mille Miglia, der Targa Florio und der Tourist Trophy Dundrod siegte Moss mit einem Mercedes 300 SLR. Im nach hinein gestand Moss, „Die Mille war mein Angstrennen. Damals fuhr man an jedem Wochenende irgendwo Rennen, man kam einfach nicht zum Trainieren nach Italien“. Ich kannte den Kurs nicht wirklich, heute kaum vorstellbar, hunderte Autos auf den schmalen Straßen, überholen gleich null“.

Sein Können, seine Konzentration im hier und jetzt, nicht an die Gefahr denkend und nicht in die Zukunft abschweifend, gewann Moss nicht zuletzt mit Unterstützung seines Beifahrers Denis Jenkinson, dem dreifachen Weltmeister auf Seitenwagen-Motorrädern, in Rekordzeit. Ende 1955 erfolgte der Rückzug aus dem Mercedes Kader. Für Maserati fuhr er nun in der Formel 1 und im Rennsportwagen große Erfolge ein. 1957 gewann er mit Vanwall zum ersten Mal einen britischen Formel 1 Grand Prix und 1958 wurde er Vizeweltmeister. Als professioneller Rennfahrer der Formel 1 und Formel 2 fuhr et in den nächsten Jahren überwiegen britische Fahrzeuge wie Cooper, BMW und Lotus. Insgesamt errang Moss 16 Grand Prix-Siege.

Als Werksfahrer für Aston Martin hatte er sogar einen großen Anteil an dem Gewinn der Sportwagenweltmeisterschaft. Dreimal hintereinander gewann er zwischen 1958 und 1960, zweimal auf Aston Martin und einmal auf einem Maserati Tipo 61 „Birdcage“, dass 1000 km- Rennen auf dem Nürburgring. Unvergesslich bleiben aber auch seine zwei Grand- Prix Siege 1961 mit dem doch recht schwachen Lotus 18- Climax gegen das damalige übermächtige Ferrari- Team in Monaco und am Nürburgring. Goodwood, im April 1962: Bei einem privaten Formel 1- Lotus des British Racing Partnership kam er plötzlich von der Strecke ab und raste am Ausgang der St. Marys Corner in einen Erdwall. Unfallursache bis heute unbekannt.

Moss erlitt schwerste Verletzungen, fiel für 28 Tage ins Koma und war mehrere Wochen halbseitig gelähmt. Fast ein Jahr dauerte es bis er wieder halbwegs genesen war. Sein Comeback-Versuch ein Jahr später, wieder in Goodwood brach nach einem Test-Rennen ab. Sein Sehvermögen und seinen Reflexe hätten gelitten, ließ er verlauten. Eine wahrlich menschlich hoch anzurechnende Entscheidung. Mit nur 33 Jahren verließ er die große Bühne des aktiven Motorsport-Rennen. „Weltmeister“ wurde er zwar nie, dafür ein „Weltmeister“ der Herzen, der über Jahrzehnte als Botschafter des Historischen Motorsports agierte.

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